Die Welle der Romandramatisierungen erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt: Das Burgtheater zeigt Thomas Manns stilbildenden „Zauberberg“ in einem Hybrid aus Theater und Film.
Ein Brecht in den Kammerspielen behauptet einsam die Interessen des Theaters. Ansonsten sind die Romandramatisierungen epidemisch geworden: Sinclair im Volkstheater, Tolstoi und Fallada in der „Josefstadt“, Handke und Lazar im Akademietheater, Dostojewski und jetzt Thomas Mann an der „Burg“. Ergiebig wird das nur, wenn die Vorlage eigentlich undramatisierbar ist, weil dann eine neue Sprache der Bilder und der Atmosphäre gefunden werden muss. Thomas Manns epochaler „Zauberberg“ ist hier das Schulbeispiel: Ein Roman, der von der Aufhebung der Zeit handelt, vom endlosen Hinüberdämmern der Patienten einer Lungenheilstätte in den Untergang des Ersten Weltkriegs, auf Spiellänge gebracht?
Regisseur Bastian Kraft versucht es, indem er hauptsächlich einen Film zeigt, der auf Peter Baurs Gebirgslandschaft projiziert wird. Die Bearbeitung ist dankenswert nah an Thomas Manns Sprache und das Personal auf vier großartige Schauspieler reduziert. Jeder spielt hier fast alle, und was sich in den perfekt maskierten Filmgesichtern an sprachlicher und optischer Verwandlung ereignet, ist so frappant, dass man Mühe hat, das jeweilige Kabinettstück zuzuordnen.
Die Mitwirkenden sind in zeitloser Alltagskleidung über die Zinken und Schluchten verteilt und synchronisieren den Film durch Mikrofone. Das ist auch das Problem der Aufführung: Weshalb hat man den Roman nicht gleich verfilmt?
Die „Burg“ hat derzeit das Glück, dass der Oscar-Star Felix Kammerer („Im Westen nichts Neues“) die Katastrophen um seinen Kollegen Teichtmeister ein wenig wegleuchtet. Man sähe ihn gern im Zentrum eines gelungenen Theaterabends. Ihn und die auratische Sylvie Rohrer, den dämonisch präzisen Markus Meyer, die tüchtige Dagna Litzenberger Vinet. Ansehbar ist die Aufführung aber jedenfalls.
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