Tirols ÖVP-Wirtschaftslandesrat Mario Gerber hofft im heurigen Jahr auf den Tourismus sowie Klein- und Mittelbetriebe. Ein Experte der Uni rät dem Staat indes zur Sparsamkeit für den Notfall. Und die Standortagentur schließt sich bei der Bekämpfung des Arbeits- und Fachkräftemangels an.
Von einem „Elchtest“ spricht Landesrat Mario Gerber (ÖVP) beim Blick auf das heurige Wirtschaftswachstum in Tirol. „Dabei erhoffe ich mir von der laufenden Wintersaison aber einen guten Rückenwind.“ Der Politiker setzt – ähnlich wie WK-Präsident Christoph Walser und Experte Stefan Garbislander – auf die Breite des Standortes: „Neben der Industrie und dem Tourismus gibt es mit den Klein- und Mittelbetrieben eine dritte stabile und starke Säule“, so Gerber.
Gerber ortet „dringenden Reformbedarf“
Angesichts des Mangels an Fach- und Arbeitskräften sei ein „dringender Reformbedarf“ notwendig: „Wir müssen es Frauen ermöglichen, im Erwerbsleben tätig zu sein. Außerdem braucht es Anreize für längeres Arbeiten und qualifizierte Zuwanderung. Darauf werde ich im Bund drängen“, so Gerber.
Kommt doch eine Rezession?
Gottfried Tappeiner vom Institut für Wirtschaftstheorie der Uni Innsbruck meint, dass ein moderates Wachstum sowie beinahe Vollbeschäftigung vor dem Hintergrund der Pandemie, Lieferkettenproblemen, Krieg, Energieknappheit und einer Inflation „ein absolut erstaunlicher Zustand sind“. Da die Verunsicherung in mehreren Branchen gestiegen sei, könne man noch nicht zu hundert Prozent sagen, ob es statt eines Wachstums nicht doch zu einer Rezession komme.
Möglicherweise brauchen wir die Fähigkeit der öffentlichen Hand, negative Effekte abzufedern, in den nächsten ein bis zwei Jahren deutlich stärker als es derzeit der Fall ist.
Gottfried Tappeiner
Sparen für den Notfall
Daher müsse der Staat mit öffentlichen Mitteln sparsam umgehen. „Möglicherweise brauchen wir die Fähigkeit der öffentlichen Hand, negative Effekte abzufedern, in den nächsten ein bis zwei Jahren deutlich stärker als es derzeit der Fall ist.“
Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur, kündigt an, die Offensive für Fachkräfte zu unterstützen und durch ein erweitertes Netzwerk den Betrieben bei Problemen in der Lieferkette zu helfen.
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