Treffen mit Assad?
Proteste gegen Erdogans neue Syrien-Politik
Die türkische Regierung tritt bereits seit mehr als einem Jahrzehnt als Schutzmacht zahlreicher Gegner des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad auf. Der jüngst angekündigte Schwenk in der Syrien-Politik, die zu einer Wiederannäherung zwischen Ankara und der syrischen Führung führen könnte, hat große Besorgnis im Norden und Nordwesten des Bürgerkriegslandes ausgelöst.
Nach langer diplomatischer Eiszeit hatten sich vor gut einer Woche die Verteidigungsminister der Türkei und Syriens in Moskau getroffen, um Wege für eine Lösung im Bürgerkriegsland zu finden. An den Gesprächen nahm auch der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu teil. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Donnerstag gar von einem neuen Friedensprozess, in dessen Rahmen er sich möglicherweise auch mit Assad, den Erdogan früher gar als „Mörder“ bezeichnet hatte, treffen könnte.
„Nein gegen Versöhnung“ mit Assad-Regime
Gegen eine solche Annäherung gab es am Freitag Proteste Tausender Menschen in Idlib und Aleppo statt. Die Demonstranten sprachen sich mit Gesängen und Bannern gegen eine Versöhnung der beiden Regierungen aus. „Ich wurde vertrieben und habe drei meiner Kinder in den Gefängnissen des Regimes verloren“, sagte ein Teilnehmer einer Kundgebung nahe Aleppo der Deutschen Presse-Agentur.
Nach fast zwölf Jahren Bürgerkrieg in Syrien kontrollieren Assads Regierungstruppen wieder rund zwei Drittel des Landes. Der Machthaber wird neben Russland auch vom Iran unterstützt. Die Türkei hält Gebiete im Norden Syriens besetzt. Erdogan steht innenpolitisch unter Druck, weil sich die Stimmung im Land gegenüber den syrischen Flüchtlingen deutlich verschlechtert hat. Rund 3,7 Millionen Syrer leben in der Türkei. Ankara möchte die Menschen gerne in ihre Heimat zurückschicken. Bei den trilateralen Verhandlungen in Moskau waren die Flüchtlinge nach Angaben des türkischen und russischen Verteidigungsministeriums auch Thema.
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