GUTEN MORGEN

Unglückliches Land feiert | Messi-Mania

Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft Sonntag Abend versetzt ein ganzes Land in einen kollektiven Freudentaumel. „Fiesta Argentina“ betiteln wir in der heutigen „Krone“ die Reportage von den Jubelfeiern im ewig krisengebeutelten südamerikanischen Land, dem sich heute auch unser Außenpolitik-Doyen Kurt Seinitz widmet. Er schreibt: „Ja, Fußball spielen können sie! Das ist das Elixier, das sie den traurigen Alltag vergessen lässt: grassierende Verarmung, Staatsversagen auf allen Ebenen bis zum Bankrott. Das unglückliche Land wird seit Jahrzehnten von seinen Politikerinnen und Politikern betrogen und in Grund und Boden regiert.“ Und er erinnert daran, dass die Argentinier niemals von der Droge „Evita Perón“ losgekommen seien. Perón hatte das Staatsvermögen über das Volk ausgestreut - bis zur Pleite Argentiniens. Immer wieder fallen die Argentinier auf Ersatz-Evitas herein. Vor allem aber, so Seinitz, heiße es, dass die Argentinier mit ihrer eigenen Identität nicht zurechtkämen. Und er zitiert einen alten Spruch: „Die Argentinier sind Italiener, die Spanisch sprechen und glauben, Engländer zu sein.“ Apropos gute Sprüche: Auch unser frech-satirischer „Herr Nimmerwurscht“ macht sich so seine Gedanken rund um Argentinien, aber auch Österreich wenn er heute formuliert: „Mit guter Teamarbeit und einer Zentralfigur, die den Überblick hat, kann man Weltmeister werden. Unsere Regierung sollte sich das zu Herzen nehmen.“ Wir wären ja schon mit einer guten Platzierung in der Europameisterschaft zufrieden. Beim Fußball und in der Politik.

Messi-Mania. Nein, natürlich ebbt die Messi-Mania ein, zwei Tage nach dem Finale der Fußball-WM nicht ab. Auf der ganzen Welt wird der Jahrhundert-Kicker gewürdigt. „Krone“-Postler und Argentinien-Fan Michael Jeannée steht nicht allein, wenn er heute schreibt: „Lieber Messi, Du bist ein Wunder.“ Wobei: Ganz so ungeteilt ist die Begeisterung dann auch wieder nicht. Auf krone.at wollten wir in der „Frage des Tages“ wissen, ob man Messi nun für den Größten aller Zeiten halte. Wer da mit einem sehr klaren Ja rechnete wurde enttäuscht - es kam gerade einmal ein Fifty-Fifty heraus. Auch unter den Journalisten findet Messi keine ungeteilte Bewunderung. Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen etwa geht sogar richtig scharf ins Gericht mit dem argentinischen Star, wenn er schreibt „Dem rührseligen Messi-Märchen, das während und nach dem Finale erzählt wurde, vom ach so sympathischen argentinischen Jungen, dem endlich zuteil wurde, was er längst verdient gehabt hätte, kann ich offen gestanden nur begrenzt folgen. Es tut mir echt leid: Aber wenn Messi am Ball zaubert, sehe ich immer auch den schwerst geldgeilen oder komplett uninformierten Mann, der es völlig normal zu finden scheint, Geld von Ländern zu nehmen, die Menschenrechte mit Füßen treten. Der ganz ungeniert als Posterboy für Diktatoren aufläuft.“ Und er erwähnt auch noch Messis gigantisches Gehalt und seine Tätigkeit als Tourismusbotschafter Saudi-Arabien, also „fürs Land des Knochensägen-Prinzen“, wie der deutsche Autor schreibt. Ja, eh, all das sollte man auch bedenken. Und doch bleibt Messi ein sympathischer Superstar, der besser spielt als alle anderen. Übrigens: Wir erinnern uns an die kurze Zeitspanne, in der auch Deutschland bei dieser WM dilettierte: Als große moralische Vorbilder entpuppten sich die deutschen National-Kicker da auch nicht gerade. Und als Wunderkicker schon gar nicht.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

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