Franz Schütte aus Feldkirch, der ehemalige Finanzdirektor von Suchard, hat die Hintergrundgeschichte und viele Fakten der „zartesten Versuchung“ in Buchform gefasst. Der „Krone“ hat er einen kleinen Einblick gegeben.
Krone: Herr Schütte, wie kamen Sie auf die Idee, die Geschichte der „Schokolade aus Bludenz“ aufzuschreiben?
Franz Schütte: Ich habe acht Jahre bei der Firma Suchard gearbeitet und mein Herzblut eingebracht. Als ich vor ein paar Jahren pensioniert wurde, habe ich mich gefragt, was in meinem Leben noch aufgeschrieben werden muss. Da ich nichts über Suchard gefunden habe, nahm ich das selbst in die Hand.
Welche Bedeutung hat die Firma für Bludenz?
Die Firma war um 1980 sogar größter Steuerzahler der Stadt Bludenz und gehörte zu den Top 10 der Vorarlberger Industriebetriebe. Außerdem ist sie seit fast 135 Jahren ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Bereits 1890, kurz nach der Gründung, wurde ein Sozialvertrag gemacht - und sie hatten Betriebsräte, als es sonst noch keine gab.
Woher stammen Ihre Quellen?
Neben viel Recherche-Arbeit stützt sich das Buch auch auf Informationen ehemaliger Mitarbeiter wie meinen Vorgänger, Dr. Kurt Orgler. Er ist mittlerweile knapp 90 und führte mich in den Pensionistenkreis ein. So erhielt ich den gesamten Bestand der Unternehmenszeitschrift ab 1970.
Was war das Besondere an der Milka-Schokolade?
Die Ur-Milka war eine der ersten Schokoladen, bei welcher es gelungen ist, Milchpulver, Kakao und Zucker so zu verbinden, dass man die Bestandteile nicht mehr merkt. Eben zart.
Wie entstand die lila Kuh?
Sie wurde offiziell 1972 erfunden. Die Vorläufer waren Werbetafeln namens „Milki“ mit einer Kuh, die eine Tafel Schokolade als Körper hatte. Diese Sujets gab es bereits in den 50ern und sie dienten den Marketingverantwortlichen aus Deutschland wohl als Inspiration. Eine weitere tolle Marketingidee war der Schokoladezug in den 60er-Jahren. Um Milka auch im Osten Österreichs bekannt zu machen, hat man Kinder bei einem Preisausschreiben gewinnen lassen und sie dann per Zug nach Bludenz gekarrt. Es gab eine Firmenführung samt Bootsausflug auf dem Bodensee. Ich habe während meiner Zeit Ende der 80er-Jahre noch Dankesschreiben dafür erhalten.
Buchpräsentation heute, 14. Dezember, 19 Uhr, bei Tyrolia Bludenz
Mag man selbst noch Schokolade, wenn man immer damit zu tun hat?
Es gab eine goldene Regel: In der Fabrik darf jeder so viel Schokolade essen, wie er will, aber nichts mitnehmen. Und nichts ist so lecker wie eine frische Praline.
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