Prozess beginnt

Mit Schutz des Haiminger „Forchet“ wird`s ernst

Tirol
09.12.2022 17:00

Nach vielen Jahren der internen Kontroversen über das Haiminger „Forchet“ steht nun die Unterschutzstellung vor der Türe - mit professioneller Begleitung und Bürgerbeteiligung.

Das „Haiminger Forchet“ (dialektisch Forche – Föhre), der letzte durch einen Bergsturz entstandene Talwald Tirols dieser Größe, war jahrelang Zankapfel in der Haiminger Kommunalpolitik. Das permanente „Abknabbern“ von Bauland trieb die Naturschützer auf die Barrikaden, sie wollen schon längst eine Unterschutzstellung. Dies war ein Wahlversprechen der neuen Bürgermeisterin Michaela Ofner und ihre Gemeinderatskollegen ließen sie auch nachher nicht im Regen stehen: Im vergangenen Mai bekannten sich alle sechs Fraktionen zu einem Forchet-Schutz und baten das Land schriftlich, den Prozess einzuleiten.

Unterschutzstellung wird professionell begleitet
Ein Prozess, der für Laien fordernd, wahrscheinlich auch überfordernd wäre und so entschloss sich der Ausschuss um Obmann Thomas Praxmarer, diesen in professionelle Hände zu geben. Teilfinanziert über ein Leader-Projekt der Regionalentwicklung steht nun diese „professionelle Hilfe“ fest: Das Außerferner Ingenieurbüro „LechtAlps“ von Eva-Maria Cattoen wird künftig als Schnittstelle zwischen Gemeinde, Land Tirol und Bürger die Fäden ziehen. „Wir verstehen uns als Prozessbegleiter“, präzisierte die Lechtalerin kürzlich beim „Antrittsbesuch“ im Haiminger Gemeindeamt ihre Rolle. Sie begleitet und moderiert mit ihren Mitarbeitern seit vielen Jahren verschiedenste Beteiligungsprozesse im Umweltbereich.

„Forchet“ im nächsten Jahr schon mit Schutzhülle?
Was ist nun der nächste Schritt? „Wir wollen eine eventuelle Unterschutzstellung natürlich nicht drüberstülpen, sondern diese mit allen Beteiligten erarbeiten“, heißt es aus dem Büro von Landesrat René Zumtobel. Bereits vor einem Jahr gab das Land eine naturkundefachliche Begutachtung mit Kartierung in Auftrag. Diese liege nun vor und werde demnächst ausgewertet. Was bedeutet, dass der Prozess im nächsten Jahr Fahrt aufnimmt. „Es soll ein Kerngebiet des ,Forchets’ zwischen Ötztal-Bahnhof und Haiming definiert werden“, weiß Ausschussobmann Praxmarer. Wie groß und welche Art von Schutzstatus, das müsse auf Grundlage des Gutachtens erst noch erarbeitet werden.

Ein zentraler Mosaikstein sei der Bürgerbeteiligungsprozess. „Geplant sind etwa Info-Abende mit Interessengruppen und Nutzungsberechtigten“, führt die Ökologin, die auch Moderation und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt, aus. Sie wird zumindest bis 31. Dezember 2023 (Projektende) den gesamten Weg bis zur Abschlussveranstaltung begleiten. Vielleicht kann man das „Haiminger Forchet“ nächstes Weihnachten bereits „geschützt“ begehen.

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