Im Bund hat man sich auf ein neues Eltern-Kind-Pass-Modell geeinigt, in der Steiermark kocht die Debatte nun wieder hoch: Werden Honorare nicht angehoben, wollen steirische Gynäkologen Mutter-Kind-Pass-Verträge kündigen.
Fünf Stempel in dem gelben Pass braucht eine junge Familie. Für jede dieser Pflichtuntersuchungen bekommt ein Kassen-Gynäkologe ein Honorar von 18,02 Euro. „Ein Wahlarzt verrechnet für die gleiche Leistung 120 bis 180 Euro“, sagt Armin Breinl (65), Frauenarzt in Graz. „Unser Honorar wurde seit 28 Jahren nicht mehr erhöht.“ Die Summe sei „auf keinen Fall mehr kostendeckend“.
Breinl und zehn Kollegen wenden sich nun in einem offenen Brief an Landeshauptmann Christopher Drexler (ÖVP). „In anderen Bundesländern zahlen Stadt und Land Zusatzhonorare, um den Mutter-Kind-Pass kostenlos für Schwangere weiterleben zu lassen – von Ihnen ist da nichts geplant!“, wirft er der Landesregierung vor. „Somit bleibt für uns Kassenärzte als einzige Möglichkeit, in Zukunft die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen privat abzurechnen und den Vertrag zu kündigen.“
Das System muss neu aufgerollt werden. Eine Erhöhung um ein paar Prozent reicht nicht.
Gynäkologe Armin Breinl
Kosten im vierstelligen Bereich
Bei fünf Pflichtuntersuchungen und im Schnitt zehn Terminen für eine Schwangerschaft wären das schnell Kosten im vierstelligen Bereich, die viele Jungfamilien stark belasten würden. Die Folgen der jahrelangen Unterfinanzierung seien schon lange zu spüren, sagt Breinl: „Es gibt immer mehr Wahlärzte. Die Jungen machen da nicht mehr mit.“
„Habe Ankündigungen satt!“
Wieso macht sich der Arzt gerade jetzt Luft, wo doch die Bundesregierung erst kürzlich den neuen Eltern-Kind-Pass präsentiert hat? Ab 2024 soll der Pass digital sein, mehr Leistungen für Patienten und höhere Honorare umfassen. „Ich habe die Ankündigungen satt!“, sagt Breinl nur.
Wie hoch müsste das Honorar ausfallen? „Ein paar Prozent Erhöhung werden nicht reichen. Der reale Wert dieser Leistungen liegt bei um die hundert Euro.“
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