Nachruf

„Er liebte die Natur, die Blumen und die Menschen“

Vorarlberg
28.10.2022 15:55
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Er war einer der profiliertesten Wissenschaftler Vorarlbergs, einer der ersten, der die Folgen des Klimawandels auf die alpine Vegetation nachwies, und ambitionierter Naturschützer: Der Ökologe Georg Grabherr verstarb am 25. Oktober mit 76 Jahren. 

Der Schutz der Natur bedeutete dem Ökologen Georg Grabherr alles. Selbst wenn er seine Tätigkeit mit einem Augenzwinkern als „Blümchenzählen“ betitelte, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, was der 1946 in Bregenz geborene und in Hörbranz aufgewachsene Sohn eines Schusters als langjähriger Professor für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie an der Universität Wien, als Vorarlberger Naturschutzrat oder als Berater unterschiedlicher Landesregierungen und der EU Nachhaltiges leistete.

Eines seiner Lieblingsthemen war die alpine Vegetation. Mit einer globalen Studie über Hochgebirgspflanzen schuf er bereits 1994 harte Fakten bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels.

Sein Studium schloss er mit „summa cum laude“ ab
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Grabherr die Aufmerksamkeit der internationalen Wissenschaftselite sicher. Noch heute werden die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die alpine Vegetation im Rahmen der von ihm initiierten Forschungsinitiative „GLORIA“ an über 100 Observationspunkten auf der ganzen Welt beobachtet.

Trotz seiner Prominenz und Gefragtheit blieb der Wissenschaftler bescheiden. Um seine Naturschutz-Ziele zu erreichen, griff er allerdings auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Legendär sind etwa seine jährlichen Natur-Ausflüge mit der Vorarlberger Landesregierung.

Dabei wählte er mit Bedacht Plätze, an denen das „Ökosystem noch in Ordnung“ war. „Ich wollte ihnen einfach das Kapital unserer Region näherbringen und erklären, wie wir diese weise nutzen können“, sagte der Ökologe einst im „Krone“-Interview.

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Sofern es im Interesse des Naturschutzes war, habe ich mich mit allen ins Bett gelegt.

Ökologe und Naturschützer Georg Grabherr

Im Dienst der Sache scheute er sich auch nicht, die Nähe von Politikern zu suchen. „Sofern es im Interesse des Naturschutzes war, habe ich mich mit allen ins Bett gelegt“, räumte er lakonisch ein. Freilich verließ er dabei nie die Welt der Fakten. Dank seiner starken Argumente gelang ihm auch so vieles. Etwa der Schutz des nur in Mitteleuropa vorkommenden Bodensee-Vergissmeinnichts. Grabherrs Lieblingspflanze war Mitte der 1980er-Jahre beinahe ausgestorben.

Für die Natur kämpfte er mit Beharrlichkeit
Seine unermüdlichen Bemühungen um das kleine Blümchen fruchteten gegen alle Widerstände. In eigens eingerichteten Naturschutzgebieten gedeiht die Pflanze seither prächtig.

Dass Grabherr auch hochdekoriert war, liegt in der Natur der Sache. Unter seinen vielen Auszeichnungen sticht etwa die Wahl zu Österreichs „Wissenschaftler des Jahres 2012“ hervor.

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