Mit dem pompösen Gremium Klimarat wollte die Regierung die Bürger in ihre Klimapolitik einbinden. Ob und wie es weitergeht, das weiß nicht einmal die „Klimarätin“ Inge Pfausler aus dem Tiroler Roppen.
Es sollte eine Sternstunde der direkten Demokratie Österreichs sein: der Klimarat. Das riesige Gremium von 100 ausgewählten österreichischen Bürgerinnen und Bürgern soll einen repräsentativen Querschnitt aller Gesellschafts- und Altersschichten der Bevölkerung darstellen. Als Forderung des Klimavolksbegehrens 2020 (400.000 Unterschriften) beauftragte der Nationalrat die engagierten, motivierten Vertreter des Volkes im März 2021, „konkrete Vorschläge für die Zielerreichung notwendiger Klimaschutzmaßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität 2040 auszuarbeiten“.
„Immerhin geht es um die Grundlage des Lebens“
Mit dabei waren fünf „Klimaretter“ aus Tirol, eine davon Inge Pfausler aus Roppen. „Als ich angerufen wurde, war für mich klar, dass ich mitmache“, blickt sie zurück, „immerhin geht es um die Grundlage des Lebens“. Im Jänner dieses Jahres startete ein intensives Halbjahr mit insgesamt sechs Wochenenden in Wien und in Salzburg. „Bei der Auftaktveranstaltung in Wien im Jänner waren sogar der Bundespräsident und Ministerin Gewessler anwesend“, sagt die Pferdezüchterin nicht ohne Stolz. Das Projekt Klimarat ist in der Tat ein aufwändiges: Rund 30 Mitarbeiter, zahlreiche Universitäten und andere Institutionen als Partner, ein Budget von zwei Millionen Euro und nicht zu vergessen der Zeitaufwand und die Denkenergie der 100 freiwilligen Mitglieder.
Angekündigt war eine Reaktion der Regierung im September oder Oktober. Seit der Übergabe habe ich nichts mehr gehört.
Inge Pfausler
Empfehlungen übergeben, bisher nichts mehr gehört
Nach sechs intensiven Wochenenden wurden letztendlich 93 einstimmig gefasste Empfehlungen in den Handlungsfeldern Energie, Produktion und Konsum, Ernährung und Landnutzung, Wohnen und Mobilität formuliert und in der ersten Juliwoche dem Bundespräsidenten, dem Parlament und der Bundesregierung übergeben. Angekündigt war eine Reaktion der Regierung im September oder Oktober. „Seit der Übergabe habe ich nichts mehr gehört“, bedauert Inge Pfausler, „man hat zwar vereinbart, in jedem Bundesland einen Klimarat-Verein zu installieren, aber da müssten ja wieder wir aktiv werden. Wir warten alle, was die Regierung mit den Empfehlungen macht.“
Es seien durchaus Maßnahmen dabei, die man schnell umsetzen könne, wie zum Beispiel das Verbot der Vernichtung von Neuwaren oder die Abschaffung von klimaschädlichen Subventionen. Werner Fischer vom Klimarat-Verein in Wien: „Angeblich erfahren wir den weiteren Fahrplan im November.“ Inge Pfausler dazu: „Hoffentlich nicht der Riesenaufwand für die Schublade“.
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