Ach, übrigens...

Wallfahrt hat Konjunktur

Vorarlberg
16.10.2022 10:22

„Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl ist ein großer Freund des gepflegten Fußballspiels. Besonders die großen Turniere haben es ihm dabei angetan. Darum blickt er in der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ nicht nur auf ein passabel besetztes Turnier in einem vorderasiatischen Emirat, das in wenigen Wochen startet, sondern bereits auf eines, bei dem 2024 in Deutschland auch die ganz Kleinen groß werden könnten.

Nach der Austragung des Internationalen Baumit-Hallencups in Esternberg, des Volksbank Rhein-Lahn-Limburg Hallencups in Altendiez/Diez-Freiendiez („mit vielen Pokalen“) und eines passabel besetzten Turniers in einem vorderasiatischen Emirat (mit nur einem Pokal) kann im März 2023 endlich die Qualifikation zur EM 2024 starten und nach 230 Spielen werden wir wissen, welche 20 (von 53) Teams gemeinsam mit Gastgeber Deutschland die Chance haben, ihrer mehr oder weniger prächtigen Trophäensammlung eine Kopie der „Coupe Henri Delaunay“, die man 2008 um 18 cm vergrößert hat, um dem aufgeblasenen Teilnehmerfeld und der Bedeutung des Turniers Rechnung zu tragen, hinzuzufügen. Bis dahin dürfte in den Wallfahrtsorten Vastseliina Episcopal Castle (Estland), Aglona (Lettland), Saharna (Moldau) und Madonna ta’ Pinu (Malta) die Anzahl der inbrünstigen Gebete für die Nationalteams von Italien, Spanien, Kroatien und den Niederlanden durch die Decke gehen.

Was zunächst exotisch klingen mag, ist schlicht und ergreifend dem Nations League-Reglement geschuldet, denn nach diesem würden die Verbände von Estland, Lettland, Moldau und Malta (Liga D) die Teilnahmeberechtigung am Playoff der Liga A erben, sofern sich deren vier Gruppensieger direkt qualifizieren und daher die ihnen zustehenden Playoff-Startplätze nicht benötigen. Zur Rekapitulation: Drei EM-Teilnehmer rekrutieren sich aus der betörend schlichten und überflüssigen Nations League, indem einfach die jeweiligen vier Gruppensieger der Ligen A bis C gegeneinander antreten. Und weil für die Liga D keine Playoff-Plätze vorgesehen sind, hat man sich in Nyon diesmal entschieden, von ganz hinten aufzufüllen, damit auch die nicht ganz so großen Fußballnationen eine Chance haben, dabei zu sein.

Sollte überraschenderweise eines der Teams aus Estland, Lettland, Moldau oder Malta in der regulären Quali das Rennen machen, würden sogar noch Andorra, San Marino und Liechtenstein (in dieser Reihenfolge) von noch weiter hinten nachrücken, notfalls auch noch die in der Nations League-Abschlusstabelle am höchsten platzierte nicht qualifizierte Nation aus den Ligen A bis C, allerdings nicht, wenn Italien, Spanien, Kroatien oder die Niederlande mal wieder die reguläre Qualifikation versemmeln und selbst playoffen müssen; denn dann wäre wiederum für die Besten der Liga D alles Makulatur. Na ja, im Moment ist es wohl besser, erst mal in Ruhe abzuwarten, wie sich alles entwickelt, bevor man am Ende gar nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist.

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