Ach, übrigens...

Ein unwürdiges Schauspiel

Vorarlberg
22.08.2022 12:55

Am Sonntag ging die Multisport-EM in München zu Ende. Diese hat auch „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl mitverfolgt. In der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ blickt er aber auch eine Entwicklung, die in München vor 50 Jahren ihren Ausgang nahm.

Fünfzig Jahre nach den durch das Attentat vom 5. September 1972 jäh unterbrochenen „heiteren Spielen“ in München stand die bayerische Landeshauptstadt mit der Austragung der „European Championships“ zuletzt wieder im Mittelpunkt des Medieninteresses und viele Sportler:innen haben in Interviews das bestätigt, was auch die Fernsehbilder gezeigt haben: Viele Menschen in heiterer Stimmung, die an unterschiedlichsten Schauplätzen die Athlet:innen feiern. Die Nutzung von Sportstätten, die ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben und der wirklich schöne Olympiapark als großer Treffpunkt für alle Sportbegeisterten zeigen zudem, dass bereits bei der Planung der Spiele im Sinne von Nachhaltigkeit gedacht worden ist, auch wenn der Begriff seinerzeit mit Sicherheit noch nicht in aller Munde war wie heute.

50 Jahre und keine Lösung
So weit, so gut, könnte man also meinen, wäre da nicht ein im Hintergrund dräuendes Problem, das bis dato auf seine Lösung wartet: Für den 5. September ist in Fürstenfeldbruck, dem Ort des Grauens, wo am 6. September 72 um 2.40 Uhr Pressesprecher Johnny Klein der Weltöffentlichkeit die schreckliche Bilanz der missglückten Befreiungsaktion mit dem Tod aller Geiseln mitzuteilen hatte, eine Gedenkfeier geplant, die im Moment mehr als auf der Kippe steht. Denn bisher ist - nach 50 Jahren! - zwischen den Angehörigen der Opfer und der Bundes- sowie der Landesregierung noch keine Einigung über Entschädigungszahlungen erfolgt, weshalb die Angehörigen der Veranstaltung fernbleiben wollen und auch an die israelische Regierung appelliert haben, es ihnen gleichzutun. Dass für Staatspräsident Jitzchak Herzog eine Teilnahme unter diesen Umständen mehr als heikel wäre, kann man sich auch ohne größere diplomatische Kenntnisse ausmalen.

Im Moment sind die Gespräche glücklicherweise noch am Laufen und man kann nur inständig hoffen, dass sehr rasch eine Einigung erzielt werden kann. Denn dass die Sicherheitskräfte 1972 mit der Befreiungsaktion hoffnungslos überfordert waren, weil es noch keine Spezialeinheiten gab, ist die eine Sache, die sich irgendwie erklären lässt. Dass aber die wichtige Gedenkfeier am schnöden Mammon scheitern könnte, weil man in Berlin und München andere Vorstellungen von „verhältnismäßigen Entschädigungszahlungen“ (was immer das auch sein mag) hat als die Angehörigen der Opfer, ist nicht zu akzeptieren. Und selbst wenn kurz vor knapp noch irgendwie eine Einigung erzielt werden sollte, ist das sich schon viel zu lang hinziehende Schauspiel einfach nur unwürdig.

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