03.07.2022 16:27 |

Deutscher Kanzler

Hohe Energiepreise sind „sozialer Sprengstoff“

Jede und jeder Vierte in Deutschland muss mittlerweile mehr als zehn Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für Energie aufwenden. Im vergangenen Jahr waren es noch weniger Haushalte (14,5 Prozent). Diese Preisexplosion sei „sozialer Sprengstoff“, sagte der deutsche Kanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntag. Er mache sich große Sorgen.

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„Wenn plötzlich die Heizrechnung um ein paar hundert Euro steigt, dann ist das eine Summe, die viele nicht wirklich bewältigen können (...)“, sagte der Kanzler im ARD-„Sommerinterview“. In diesem verwies er darauf, dass seine Regierung bereits 30 Milliarden Euro ausgegeben hätte, um die Bürger und Bürgerinnen zu entlasten. Ab Montag sind Gespräche mit Gewerkschaften und Arbeitgebern sowie Arbeitgeberinnen geplant, wie gegen die Inflation vorgegangen werden kann. „Wir müssen jetzt weitermachen.“ Bei den Gesprächen soll es laut Scholz aber weniger um konkrete Maßnahmen gehen als um einen Prozess, „bei dem klar ist, es werden sich in Deutschland wieder alle unterhaken.“

Gefahr für Energiearmut
Berechnungen eines Forschungsinstituts nach musste jede und jeder Vierte im Mai mehr als zehn Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für Energie ausgeben. Das ist die Grenze, ab der Menschen als bedroht von Energiearmut gelten. „Die Gefahr für Energiearmut ist enorm gestiegen“, sagte Ökonom Ralph Henger vom arbeitgebernahen Institut IW. Betroffen seien vor allem Geringverdienende, Arbeitslose, Menschen in Pension und Alleinerziehende. Darüber hinaus gebe es aber auch weitere schwierige Übergangsphasen. Kosten, die hier berücksichtigt werden, sind etwa jene für Heizen, Kochen und Strom.

Menschen, die von Energiearmut bedroht sind, haben oft einen Lohn, der unter 60 Prozent des Durchschnittseinkommens im Land liegt. Damit sind sie zugleich armutsgefährdet. Die Grenze liegt in Deutschland bei 1074 Euro netto pro Monat für einen Ein-Personen-Haushalt und bei 2256 Euro für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen sowie zwei Kindern zwischen 14 und 18 Jahren. „Der Unterschied zwischen den Einkommensgruppen ist aber geringer als in der öffentlichen Debatte suggeriert wird“, sagte Henger. Auch die Mittelschicht könne von Energiearmut betroffen sein.

Sollte Russland zukünftig kein Gas mehr über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 liefern, kann es laut dem deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zu einem weiteren Preisanstieg bei einigen Stadtwerken kommen. Davor warnte er am Samstagabend.

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