Spion für Gadafi?

Militärchef der libyschen Rebellen erschossen

Ausland
29.07.2011 14:55
Die libyschen Rebellen haben im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gadafi ihren Militärchef verloren. Abdel Fattah Younes sei von bewaffneten Angreifern getötet worden, teilte die Führung der Aufständischen am Donnerstag mit. Younes hätte sich auf dem Weg von der Front in die Rebellenhochburg Bengasi befunden und sei vor seiner Ankunft erschossen worden. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, Younes sei von den Rebellen wegen Spionage für die Gadafi-Regierung in Gewahrsam genommen worden und habe sich auf dem Weg zum Verhör befunden.

Inzwischen ist auch die Leiche von Younes aufgetaucht. Gemeinsam mit den sterblichen Überresten der beiden Offiziere, die zusammen mit ihm erschossen worden waren, wurde sie Freitagmittag im Zentrum von Bengasi aufgebahrt, berichtete das Fernsehen des Übergangsrats. Sie hatten zunächst als vermisst gegolten. Der Drahtzieher des Anschlags soll von Sicherheitskräften bereits festgenommen worden sein.

"Held der Revolution" oder Spion?
Am Donnerstag hatte die Führung der Aufständischen mitgeteilt, dass Younes getötet worden sei. "Mit aller Betroffenheit informiere ich Sie hiermit über das Ableben von Younes, dem Oberbefehlshaber unserer Rebellen", sagte der Chef des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdul Jalil, auf einer Pressekonferenz in Bengasi.

Jalil nannte Younes "einen der Helden der Revolution" und rief eine dreitägige Trauer aus. Younes war einst Innenminister unter Gadafi und galt als die Nummer zwei in dessen Machtapparat. Er sagte sich aber im Februar von Gadafi los und schloss sich den Rebellen an. Für sie übernahm er seither wichtige militärische Aufgaben. Viele sahen in Younes aber vor allem einen Mann des alten Regimes, der als eine Art Doppelagent insgeheim weiterhin zu seinem alten Weggefährten hielt: einmal für Gaddafi, immer für Gaddafi.

Auf dem Weg zu Verhör nach Bengasi?
So besteht auch Unklarheit über den Grund für die Fahrt des Rebellenchefs nach Bengasi, während der Younes getötet wurde. Ein Sprecher der Aufständischen hatte mitgeteilt, Younes sei in der Einsatzzentrale in der Nähe der Front in Gewahrsam genommen und für ein Verhör nach Bengasi gebracht worden. Es bestehe der Verdacht, dass Younes über Familienmitglieder noch immer Kontakt zum Regime von Gadafi habe.

Jalil hingegen erklärte, Younes sei einbestellt worden, um Auskünfte über "militärische Angelegenheiten" zu erteilen. Gadafi versuche, die Einheit der Aufständischen zu brechen, sagte Jalil weiter. Er bitte alle, den Gerüchten der Gadafi-treuen Kräfte keine Beachtung zu schenken, mit denen sie die Rebellenbewegung zu spalten versuchten. Jalil warf dem libyschen Machthaber jedoch nicht direkt vor, für Younes' Tod verantwortlich zu sein.

Jalil sprach gleichzeitig aber auch eine Warnung an bewaffnete Gruppen im Einflussgebiet der Rebellen aus. Sie müssten sich dem Kampf gegen Gadafi anschließen oder würden ihre Festnahme riskieren, sagte Jalil.

Bewaffnete drangen in Hotel in Bengasi ein
Nach Angaben eines Korrespondenten war die Lage in Bengasi am Donnerstagabend unübersichtlich. Kurz nach Jalils Pressekonferenz in einem Hotel der Rebellenhochburg hätten bewaffnete Männer versucht, in das Hotel einzudringen. Daraufhin seien die Journalisten in Sicherheit gebracht worden. Ein Augenzeuge berichtete später, die Männer seien zwar in das Tibesti-Hotel vorgedrungen, dort aber von Sicherheitskräften soweit beruhigt worden, dass sie es wieder verlassen hätten. Sie hätten dem Übergangsrat vorgeworfen, Younes getötet zu haben.

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