24.06.2022 08:01 |

Bachmannpreis

Von den Wahrheiten im Wortmeer

Als hätte es die digitalen Spezialausgaben nicht gegeben, wurden am Mittwoch im ORF-Theater die 46. Tage der deutschsprachigen Literatur eröffnet. Die Freude am Live-Bewerb war omnipräsent, während Anna Baars Klagenfurter Rede dem Wort mächtige Flügel und messerscharfe Klauen verlieh, um von Schuld und Schande, Kindesmissbrauch und unzumutbarer Wahrheit zu sprechen.

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Eindringlich, feinnervig und sprachvirtuos führte die in Klagenfurt und Wien lebende Autorin Ingeborg Bachmanns berühmtes Zitat in die Höllen von Kinderschänder Franz Wurst und dem NS-Zwangssterilisator Franz Palla - um sich im Gedenken an Gert Jonke und die Bachmann, „die diesen Bewerb wohl nie gewonnen hätte“, für Jugend und Entrückte stark zu machen und gegen den „Normalisierungsterror einer Leistungsgesellschaft“ zu stellen.

Doch bevor Baar den fulminanten Schlusspunkt dieser Eröffnung setzte, der die vielen Anwesenden nachdenklich gestimmt in den „Feierabend“ entließ, kamen Macher und Ermöglicher zu Wort, die „Hausherrin“ Karin Bernhard sowie das Moderatorenduo Christian Ankowitsch & Cécile Schortmann auf die Bühne baten. So kurzweilig wie manche Wortspende gestaltete sich auch der gestrige erste Lesetag, der fünf (von insgesamt 14) Autoren mit ihren Texten in den diskursiven Fokus der siebenköpfigen Jury stellt.

Diskutierfreudig
Traditionell war der Lese-Auftakt am Donnerstag von großer Diskutierfreude geprägt, ungewohnt sanft bis säuselnd Juror Philipp Tingler, grünblasig bis knurrig der Unterhaltungswert beim Urteil von Klaus Kastberger und Michael Wiederstein zum „Silberriesen“ des Deutschen Andreas Moster.

Fast einstimmig überzeugte die Jury der in Rumänien aufgewachsene, 25-jährige Alexandru Bulucz, der für einen verortungsfreien Heimatbegriff im Kontext einer Migrationsgeschichte sprachgenau, ambivalent (und preisverdächtig!) durch Stillstand und Schmerz mäandert. Heute (10 Uhr), starten die Lesungen mit der in Österreich lebenden Slowenin Ana Marwan.

Irina Lino
Irina Lino
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