Macht und Gewalt

Düsteres SciFi-Adventure erleben in “AlternativA”

Spiele
27.07.2011 15:55
Prag 2045: Die Postkartenidylle ist einer düsteren Realität gewichen, dreckige Straßen und verzweifelte Menschen wechseln sich mit wahlweise angriffslustigen oder zerstörten Robotern ab. Riesenkonzerne und der Staat haben die Menschheit im Griff - nur ein paar Widerständler treten ihnen entgegen. In dieses Szenario versetzt das Point-and-Click-Adventure "AlternativA".

Richard ist einer der Menschen, die verzweifelt versuchen, in den Slums ihr Auskommen zu finden. Zu Beginn des Spiels wird er allerdings einmal mehr mit der harten Realität konfrontiert: Von einem Tag auf den anderen ist ohne zufriedenstellende Erklärung sein Job weg, weshalb ihm von einem Wachroboter unsanft seine persönliche ID-Karte abgenommen wird, ohne der in der Welt der Zukunft nichts mehr geht. Frustriert sucht Richard daher Anschluss an den Widerstand. Sein Mitbewohner Andy hingegen, dessen Geschicke der Spieler im Verlauf des Games ebenfalls lenkt, verlässt sich lieber auf den Staat.

Im Lauf der Geschichte treffen die spielbaren Charaktere, darunter auch die schwer zu durchschauende angebliche Rebellin Andrea, auf diverse NPCs. Einige bieten interessante Ansätze, etwa ein obdachloser Händler mit umprogrammiertem Roboter, ein Barbesitzer als väterlicher Freund oder ein mysteriöser Unbekannter, doch vielen fehlt es an Tiefe und Emotionalität.

Gelungenes Inventar und hilfreiche Hotspot-Anzeige
Ein zwiespältiges Bild zeigt sich auch bei der Steuerung des Adventures: Inventar gelungen, Fortbewegung verbesserungsbedürftig. Beim Klick auf einen Gegenstand oder eine Person wird ein ringförmiges Menü eingeblendet, das die Möglichkeiten Betrachten, Benutzen bzw. Aufheben und Dialog beinhaltet. Ebenso leicht fällt das Kombinieren von Gegenständen, außerdem kann sich der Nutzer via PDA des Protagonisten über die gesammelten Schätze informieren. Darin finden sich zudem Notizen über Umgebung und Charaktere, die beim Lösen von Rätseln eine wertvolle Hilfe darstellen. Auch die Hotspot-Anzeige per Tab-Taste ist Gold wert, da einige Gegenstände mit freiem Auge kaum zu erkennen sind. Die Hotspot-Anzeige steht übrigens nur Spielern zur Verfügung, die sich zu Beginn für die leichte Variante des Games entschieden haben. Wer die schwere wählt, darf nur zweimal sterben, bevor er einen alten Spielstand laden muss. Die einfache hingegen erlaubt so viele Versuche wie nötig.

Lange Laufwege und langatmige Animationen
Weit weniger praktisch ist dagegen die Fortbewegung ausgefallen - und da ein großer Teil von "AlternativA" das Abgrasen unzähliger Orte ist, fällt das Steuerungselement schon nach kurzer Zeit unangenehm auf. So lassen sich Laufwege zwar dankenswerterweise per Doppelklick überspringen, doch zu Beginn jeder Szene muss der Spieler die Animation des hereinspazierenden Hauptdarstellers über sich ergehen lassen.

Gegenstände im Mittelpunkt des Spielgeschehens
Die meiste Zeit verbringt der Spieler in "AlternativA" damit, Gegenstände zu finden, zu kombinieren und anzuwenden. Kompliziertere Rätsel wie die Suche nach einem Passwort oder das Knacken eines Schlosses finden sich selten, zudem ist der Schwierigkeitsgrad bei diesen Aufgaben recht unausgegoren, bei manchen hilft nur Ausprobieren. Abwechslung bieten einige Rätsel, die mit einem Timer versehen sind - wer nicht schnell genug agiert, stirbt - und eher seltene Dialogrätsel.

Für Frust sorgt, dass der Spieler zahlreiche offensichtliche Dinge erst tun oder mitnehmen darf, wenn er zuerst eine bestimmte Aufgabe erledigt hat. Dass die Wege in "AlternativA" lang sind und eine Schnellreisefunktion fehlt - die umständliche Hochbahn ist keine echte Alternative - trägt dazu noch bei.

Hintergründe top, Mimik flop
Grafisch kann das Spiel der tschechischen Entwickler von Centauri Productions nicht mit Genre-Konkurrenz mithalten, besonders die Animationen und Mimik der Charaktere lassen zu wünschen übrig. Die detaillierte Hintergrundgrafik dagegen ist durchaus stimmungsvoll, egal ob dreckige Slums, aufgeräumter Industriebezirk oder am Ende Brasilien. Die deutsche Sprachausgabe ist mit - leider Adventure-üblicher - Überbetonung und kleineren Übersetzungsfehlern zwar kein Highlight, aber durchwegs in Ordnung.

Fazit: Zu den Designschwächen von "AlternativA" gesellt sich leider eine unausgegorene Geschichte. Sie bietet mit dem düsteren Zukunftsszenario rund um den Riesenkonzern Endora, Roboter, Überwachung, Gewalt, Mord, Vergewaltigung und das Ausgeliefertsein an den Staat zwar genügend ernste, spannende Inhalte - diese werden allerdings im Lauf der Story von Logiklöchern, dem Ablaufen zahlloser Orte und alzu einfachen Inventarrätseln überlagert, bis ein unbefriedigendes, offenes Ende den Schlusspunkt setzt.

Plattform: PC
Publisher: Peter Games
krone.at-
Wertung: 6/10
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