Vor dem Parlament
“Torten”-Attacke bei Anhörung von Rupert Murdoch
Berichten des TV-Senders "Sky News" und der Zeitung "The Guardian" zufolge handelte es sich bei dem Angreifer um einen Komiker, der die Tat offenbar über den Onlinedienst Twitter angekündigt hatte. "Was ich jetzt mache, ist die deutlich beste Aktion, die ich jemals gemacht habe", heißt es in einer Kurzbotschaft, die kurz vor der Schaum-Attacke von Jonnie Marbles verschickt wurde.
Die Polizei bestätigte zunächst nicht, dass der festgenommene Mann tatsächlich Marbles ist. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, warf der Angreifer einen Teller mit einer weißen Schaumtorte auf Murdoch, der an der rechten Schulter getroffen wurde. Murdochs Frau Wendi Deng sprang auf und griff ihrerseits den Demonstranten an. Nach der turbulenten Szene wurde die Befragung kurz unterbrochen, danach aber fortgesetzt.
"Der demütigste Tag meiner Karriere"
Rupert Murdoch zeigte sich vor dem Parlamentsausschuss jedenfalls reuig. "Mein Sohn und ich sind mit großem Respekt für das Parlament und die britische Bevölkerung hierher gekommen. Das ist der demütigste Tag meiner Karriere", leitete der Medienmogul seine Rede bei der Anhörung ein. Er entschuldigte sich bei jenen Menschen, die durch diesen Skandal geschädigt wurden.
Die Kenntnis des Fehlverhaltens von Mitarbeitern bestritt Murdoch jedoch. Er sei hinters Licht geführt worden und über die Vorwürfe gegen seinen Konzern absolut schockiert, entsetzt und beschämt gewesen, sagte der 80-Jährige. Aus diesen Grund habe er auch die "News of the World" eingestellt. Er verwahrte sich aber zugleich gegen den Vorwurf, dass sein Unternehmen untätig gewesen sei.
News Corporation (News Corp), in der alle Firmen des Mediengiganten zusammengeschlossen sind, habe auf die Abhöraffäre so "schnell und transparent" wie möglich reagiert, betonten Rupert und James Murdoch. Auf viele Fragen reagierten die beiden Unternehmer abweisend. Die Zeitung "News of the World" habe weniger als ein Prozent des Konzerns ausgemacht, sagte etwa der Medienzar. Die meisten Fälle hätten gar nicht die Schwelle erreicht, dass die Murdochs überhaupt informiert worden seien, ergänzte sein Sohn James.
Murdoch entlastet Rebekah Brooks
Auch seine inzwischen als Chefin von News International, der britischen Zeitungsgruppe von News Corp, zurückgetretene Vertraute Rebekah Brooks habe nichts von dem Skandal gewusst. Daher wies der Australier mit US-Pass eine "endgültige Verantwortung" bezüglich "dieses Fiaskos" zurück. News Corp werde die Schuldigen des Skandals aber ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen.
Die öffentliche und live im Fernsehen übertragene Anhörung war eine der aufsehenerregendsten jemals von einem Parlamentsausschuss abgehaltenen Befragungen. Es ist äußerst selten, dass sich Rupert Murdoch als Chef eines der größten Medienunternehmen der Welt öffentlich äußert.
Mailboxen von über 4.000 Menschen geknackt
Die Abhöraffäre ist vor zwei Wochen übergekocht, als bekannt geworden war, dass Reporter von "News of the World" neben Prominenten auch Verbrechensopfer angezapft hatten. Besonders schäbig ist der Fall der 13-jährigen Milly Dowler. Reporter manipulierten die Handy-Mailbox des Mädchens und machten den Eltern so falsche Hoffnungen auf ein Überleben ihres Kindes. Insgesamt geht die Polizei davon aus, dass mindestens 4.000 Menschen Opfer der Abhörpraktiken geworden sind.
Auch Premier Cameron unter Druck
Indes wächst auch der Druck auf Premierminister David Cameron. Oppositionsführer Ed Miliband sagte am Montag, Cameron sei in seinen Entscheidungen "gelähmt". Auch Ex-Scotland-Yard-Chef Sir Paul Stephenson forderte Cameron indirekt zum Rücktritt auf. Cameron hatte lange an seinem ehemaligen Regierungssprecher Andy Coulson festgehalten, der schon 2007 wegen der Affäre als Chefredakteur der "News of the World" zurückgetreten war. Ferner wird Cameron eine Nähe zu Murdoch-Managern wie Brooks nachgesagt. In nur 15 Monaten Amtszeit hat es 26 Treffen des Regierungschefs mit der Murdoch-Führung gegeben.
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