Morde fürs Kartell

14-jähriger Mexikaner als Profi-Killer angeklagt

Ausland
19.07.2011 09:44
Es gibt noch Schicksale, die aus dem mörderischen Alltag des mexikanischen Drogenkrieges herausstechen und sogar in dem mittelamerikanischen Land noch die Bürger schockieren können. Ein 14-Jähriger, der Ende des letzten Jahres im gewaltgeplagten Bundesstaat Morelos verhaftet wurde, steht seit Montag als Profi-Killer vor Gericht. Edgar Jimenez soll vier Männer eines verfeindeten Drogenkartells getötet haben, ihre Leichen ließ der in Amerika geborene Teenager an einer Brücke aufknüpfen. Wegen seines Alters drohen ihm maximal drei Jahre Haft.

"El Ponchis", so der Spitzname des 14-Jährigen, war Mitglied des "Kartells vom Südpazifik", das aus der kriminellen Organisation der Beltran-Leyva hervorging. Der Prozess im Jugendgefängnis der Stadt Miacatlan soll zwei Wochen dauern und findet mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Insgesamt 65 Zeugen werden aussagen. 

Erster Prozess vor Jugendgericht
Die Staatsanwaltschaft hofft, dabei auch belastendes Material über andere Akteure im mexikanischen Drogenkrieg zu bekommen. Seit 2006 starben in den Kämpfen verfeindeter Kartelle mehr als 40.000 Menschen, davon mehr als 1.300 Minderjährige. 

Edgar Jimenez ist aber nur insofern ein Ausnahmefall, als dass er der erste Teenager ist, der sich wegen Auftragsmorden vor einem Jugendgericht verantworten muss. Rund 4.000 Unmündige befinden sich derzeit wegen Beteiligung an organisierter Kriminalität in Haft, das mexikanische Justizministerium schätzt, dass rund 23.000 Jugendliche in Diensten von Drogenbanden stehen.

Männer getötet und an Brücke aufgeknüpft
Jimenez hatte nach seiner Festnahme im Dezember 2010, als ihn das mexikanische Militär mit seinen zwei Schwestern an der Flucht in die USA hinderte, ausgesagt, bereits im Alter von elf Jahren in den Drogenhandel geraten zu sein. Er gestand u.a., vier Männer getötet zu haben, die dann an einer Autobahnbrücke in Cuernavaca, der Hauptstadt von Morelos, aufgehängt wurden (Bilder). 

In Morelos tobt seit dem Tod des Kartellchefs Arturo Beltran-Leyva ein erbitterter Kampf um dessen Nachfolge, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf weite Gebiete Zentralmexikos. Beltran-Leyva war im Dezember 2009 von Spezialeinheiten der mexikanischen Marine in Cuernavaca aufgespürt und erschossen worden.

Maximal drei Jahre Haft drohen
Die Geständnis Jimenez' wird im Verfahren allerdings nicht als Beweismittel eingebracht werden können, da es vor bewaffneten Soldaten gemacht wurde und daher potenziell erpresst worden sein könnte. Im Fall eines Schuldspruches darf er aufgrund der letzten Justizreform in Mexiko zu maximal drei Jahren Haft insgesamt verurteilt werden. Edgar Jimenez' ältere Schwestern, die ebenfalls für einen berüchtigten Boss des Beltran-Leyva-Clans gearbeitet haben sollen, werden als Erwachsene vor Gericht gestellt. 

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