Melanie Zerlauth

Wie geht’s 100 Tage nach dem „Wahl-Wunder“?

Tirol
07.06.2022 10:16

Am 27. Februar geschah das „Wahlwunder von Pfunds“. Die Bevölkerung kürte die Elementarpädagogin Melanie Zerlauth zur ersten Bürgermeisterin der Geschichte des Tiroler Bezirks Landeck. Wie geht‘s am heutigen Jubiläumstag?

Hundert Tage, 100 Sorgen? Nein, aber hundert Aufgaben. Melanie Zerlauth aus Pfunds schrieb am 27. Februar Politgeschichte, weil bei der Bürgermeisterwahl 63 Prozent der Wähler ihr Kreuz in das Kästchen jener Frau schrieben, die bis dato politisch ein unbeschriebenes Blatt war. Sie wurde die erste Dorfprima in der Geschichte des Bezirkes Landeck. „Ich hatte niemals damit gerechnet“, erinnert sie sich, „ich habe das an diesem Tag gar nicht realisiert und musste mich erst sortieren. Ehrlich gesagt, mir tat mein Kontrahent leid, weil er so tief enttäuscht war.“ So ist sie, die gelernte Kindergartenassistentin mit der sozialen Aorta. Und wie geht es ihr 100 Tage nach diesem positiven Schock?

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Am Anfang war’s schon heftig.

Melanie Zerlauth

„Da fliegen einem die Themen um die Ohren“
„Am Anfang war’s schon heftig“, sagt die 44-Jährige, „da fliegen einem die Themen um die Ohren.“ Unglaublich nervös sei sie bei der konstituierenden Sitzung gewesen, in der Tasche einen Glücksbringer. Und es habe Momente des Zweifelns gegeben: Wird man der großen Erwartungshaltung und der Verantwortung gerecht? „Wenn dich Leute auf der Straße umarmen, das sind die schönen Momente, die auch die Akzeptanz im Dorf zeigen.“ Und die zehn (von 15) errungenen Mandate machen sie schon stolz.

Nein, nein, es gehe ihr gut, es sei grundsätzlich ein schöner Beruf. Die Neue sieht sich nicht als „Dorfchef“, eher als Managerin und Teamplayerin, die mittlerweile auch aus der Not heraus gelernt hat, zu delegieren. Sie habe einen „super Vize“, der sich um die baulichen Angelegenheiten kümmert. Zerlauth: „Das einzige Wahlkampfversprechen, das ich gemacht habe, mir Zeit für die Bürger nehmen zu wollen, setze ich auch um.“

„Als Zweitberuf kannst du dieses Amt vergessen“
Im Kindergarten ist sie nicht mehr, Bürgermeister als Zweitberuf könne man vergessen. Zu viel Zeiteinsatz, zu viele Aufgaben. Das ginge schon gar nicht als Frau, die ja meistens noch den Haushalt schmeiße. Da müsse der Partner schon mal den Staubsauger in die Hand nehmen. Ansonsten sei das Amt an und für sich nicht eine Frage des Geschlechts. „Mit kleinen Kindern kann ich mir das allerdings nicht vorstellen“, sagt die Mutter zweier Töchter im Alter von 13 und 18 Jahren. Die Akzeptanz sei gegeben, auch im Gemeinderat. „Wir haben ein gutes Klima“, sagt die Dorfmanagerin, die in den verpflichtenden finanziellen Verbindlichkeiten einer Gemeinde ein großes Problem sieht. Wenig freies Geld im Sechs-Millionen-Budget, die Gemeinde müsse sich nun finanziell konsolidieren.

Aber eines möchte sie noch für den heurigen Sommer realisieren: Kinderbetreuung in den Ferien. Ferien wird’s heuer wohl kaum geben, für jene Frau, die im Bezirk Landeck die Männerbastion stürmte und Frauen ermutigen möchte, es ihr gleich zu tun.

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