Spindelegger sprach sich im ORF-"Report" außerdem dafür aus, die Frage in einem breiten Rahmen zu diskutieren, und zeigte sich zuversichtlich, dass man "relativ rasch" eine Lösung finden und zu einer Beschlussfassung kommen werde. In der Frage des Stils der Aktion stellte sich der Parteiobmann allerdings auf die Seite von Klubobmann Karlheinz Kopf. Spindelegger meinte dazu in Richtung der für die Geheimaktion verantwortlichen Frauen, es sei gute Tradition, solche Dinge nicht hinter dem Rücken der Klubführung auszumachen.
Antrag mit Endlosreden blockiert
Die frühere Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, die am Mittwoch wieder in den Nationalrat eingezogen und mit Freitag erneut ausgeschieden ist, hatte mit Kolleginnen der SPÖ und der Grünen im Geheimen einen Gesetzesantrag zur Änderung des Textes der Bundeshymne vereinbart und wollte diesen in ihrer Abschiedsrede im Plenum des Nationalrates am Freitagabend vortragen. Statt "Heimat bist du großer Söhne" soll der Text künftig "Heimat großer Töchter, Söhne" lauten.
Dieses Vorhaben wurde aber von der ÖVP-Klubführung torpediert, da aufgrund von Endlosreden männlicher ÖVP-Abgeordneter, zum Teil über Nonsensthemen wie den Süßstoff "Stevia" oder Mastschweine, keine Redezeit mehr für Rauch-Kallat übrig blieb. Formal eingebracht und an den Verfassungsausschuss weitergeleitet wurde der Antrag trotzdem. Das Parlament hat sich nun damit zu beschäftigen.
Rauch-Kallats "Töchter-Hymne" seit 2005 Thema
Die Textänderung der Bundeshymne ist ein Projekt, das Rauch-Kallat schon seit Jahren verfolgt. 2005 machte sie noch als Frauenministerin den ersten Vorstoß, auch die Töchter entsprechend zu würdigen. Dieser sorgte zunächst für Aufregung, versickerte dann aber in der eigenen Partei. Die heutige Ressortchefin Gabriele Heinisch-Hosek hatte ihn dafür wieder aufgenommen, war aber vorerst ebenfalls an Koalitionspartner ÖVP gescheitert.
Zuletzt beworben wurde die Umtextung im Zuge einer Bildungsinitiative von Unterrichtsministerin Claudia Schmied. Popstar Christina Stürmer sang da von der Heimat "großer Söhne und Töchter". ÖVP-Frauenchefin Schittenhelm gefiel es - und so verständigte sie sich auf Initiative Rauch-Kallats mit den Frauen der Parteien links der Mitte, um in einem Überraschungscoup kurz vor der parlamentarischen Sommerpause einen entsprechenden Antrag einmal auf den Weg - also zur Diskussion in den zuständigen Verfassungsausschuss - zu schicken.
Spindelegger: "Sache aus dem Weg schaffen"
Spindelegger kündigte im "Report" zudem an, dass Kopf, der sich bisher nicht zu der Aktion der ÖVP-Abgeordneten geäußert hat, mit Rauch-Kallat ein Gespräch führen werde, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Diese Frage solle nämlich nicht zu einem Sommerthema werden.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.