Kreativität ist der Rohstoff der Zukunft. Die „CampusVäre“ in Dornbirn bietet für findige Köpfe eine Plattform.
Der britische Städteforscher Charles Landry und US-Ökonom Richard Florida gelten als die „Propheten der kreativen Stadt“. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts machen sie darauf aufmerksam, dass sich die sogenannten „Creative Industries“ vor allem in urbanen Regionen niederlassen und ausbreiten werden. Was im Umkehrschluss auch bedeutet: Will sich eine Stadt für die Zukunft rüsten, muss sie der Kreativwirtschaft entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten bieten - von geeigneten Räumlichkeiten und Arealen über Ressourcen für Forschung bis hin zu finanziellen Mitteln und dem Zugang zu Investoren. Freilich lässt sich Kreativität nicht politisch „verordnen“, den Boden für eine fruchtbare Szene bestellen kann die öffentliche Hand aber sehr wohl.
Anlaufstelle für kreative Köpfe in Dornbirn
Auch in Vorarlberg ist man sich den Zeichen der Zeit bewusst. So entsteht beispielsweise am „Campus V“ in Dornbirn eine Anlaufstelle und Plattform für die heimische Kreativszene. Die „CampusVäre“ in den einstigen Sägenhallen des Textilunternehmens F.M. Hämmerle versteht sich als „Werkstatt zur Entwicklung der Zukunft“ und spricht neben Kreativen vor allem Menschen aus den Bereichen Digitalisierung, Wissenschaft, Bildung, Innovation und nicht zuletzt Kunst und Kultur an. Im Zusammenspiel vieler Netzwerkpartner soll hier in den kommenden Jahren ein pulsierendes, nachhaltig entwickeltes Areal entstehen, das über die Grenzen hinaus wirkt - u. a. durch neuartige, partizipative Veranstaltungs- und Kulturformate.
So hat man mit dem „Creative Lunch“ ein Event etabliert, das bewusst zu Mittag stattfindet und Menschen aus unterschiedlichen Sparten an einem langen Tisch versammelt, um ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Auch mit dem „CreativeTandem“ hat man buchstäblich neue Wege beschritten und im November 2021 zu einem gemeinsamen Spaziergang entlang der Kunstinstallation „No Border, No Nation“ an die Dornbirner Ach geladen. Ziel war es, sich mit einem per Zufallsprinzip zugewiesenen Tandempartner über Innovationen und Projektideen auszutauschen. Das Kunst und Kultur einen derart prominenten Platz in der „CampusVäre“ einnehmen, hängt auch mit den Wurzeln der Initiative zusammen. Die liegen nämlich im Bewerbungsprozess zu Europas Kulturhauptstadt 2024, zu der sich Dornbirn, Feldkirch, Hohenems und der Bregenzerwald als „Dornbirn plus“ gemeinsam beworben haben.
Schlussendlich machte zwar Bad Ischl das Rennen, dennoch habe sich die Bewerbung gelohnt, ist Bettina Steindl, die das Bewerbungsbüro leitete und nun die Geschäftsführung des „Creative Institute Vorarlberg“ innehat, überzeugt: „Vorarlberg hat seither einen Platz auf der europäischen Landkarte der Kultur- und Kreativwirtschaft. Für den Bewerbungsprozess wurden mit einem internationalen Netzwerk zukunftsorientierte, innovative Projekte für das Land entwickelt. Und genau auf diesem Fundament baut die ’CampusVäre’ auf.“
„Die ideale Zeit für derartige Projekte“
Dass das Projekt so schnell Fahrt aufgenommen hat, ist nicht zuletzt den politisch Verantwortlichen zu verdanken, die von Beginn weg ein offenes Ohr für die Thematik hatten. So hat sich etwa Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, wie eine Stadt gestaltet werden muss, damit die Menschen dort in Zukunft leben wollen. Nachdem das Land ebenfalls daran interessiert war, am „Campus V“ einen kreativen Hotspot zu schaffen, war das Fundament gelegt. „Jetzt ist die ideale Zeit für derartige Projekte“, meint Steindl, denn: „Vorarlberg hat eine beeindruckende Kreativszene, die wesentlich dazu beiträgt, den Standort international zu positionieren und ihn für Arbeits- und Fachkräfte attraktiv zu machen. Diese sogenannte ’kreative Klasse’ braucht allerdings Orte, an denen sie arbeiten, kollaborieren, partizipieren und sich austauschen und repräsentieren kann.“
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