27.05.2022 08:00 |

Auftritt zum 30er

Man darf überrascht sein: Ja, das ist ein Skoda!

Unglaublich, dass das ein Skoda ist. In seiner Zeit richtig schnell (er gewann sogar Rennen!) ist der 1100 OHC heute derart zum Knuddeln putzig, dass ich ihm gern die auf den Lack getropfte Träne der Rührung mit dem Sakko-Revers wegtrockne. Die Vergangenheit des tschechischen Autoherstellers ist in den meisten Köpfen als grau und unscheinbar ostverblockt (nicht ganz zu Recht, wie man sieht), die Gegenwart ist jedoch deutlich strahlender.

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Was ist die Überraschung? Dass Skoda ERST 30 Jahre auf dem österreichischen Markt zugegen ist, oder dass es SCHON 30 Jahre sind? Damals, 1992, strahlte die Marke nicht so viel Faszination aus wie der kleine rote Rennwagen, den der Importeur seinen Gästen beim Jubiläums-Festakt zu Schloss Hof präsentierte.

Nur Max Egger, noch heute Geschäftsführer von Skoda Österreich, sah schon damals etwas leuchten und startete eine Erfolgsgeschichte, die längst zum Roman geworden ist. Mit Skoda Forman und Skoda Favorit (dieser auch als Pick-up) fing hierzulande alles an. Dass da richtig was draus werden konnte, war durchaus abzusehen, immerhin hatte Volkswagen ein Jahr zuvor die Marke übernommen.

So wich der billige Ost-Charme langsam und dann immer schneller einem günstigen, aber sympathischen Auftreten. 1994 löste der Felicia den Favorit ab, die Verkaufszahlen explodierten geradezu. Und als 1996 der erste neuzeitliche Octavia eingeführt wurde, gab es kein Halten mehr: Die Technik des VW Golf, aber günstiger und vor allem eine Fahrzeugklasse größer - so viel Auto um so wenig Geld hatte es bisher nicht gegeben. Ein Konzept, das die Tschechen lange durchhielten und das sie bis heute teilweise ausmacht.

2009 kam ein echter Sympathieträger mit Kulleraugen: Dem Skoda Yeti widmete sogar Top-Gear-Star Jeremy Clarkson einen ausführlichen Testbericht, der zur 15-minütigen Lobeshymne geriet. Schade, dass sie ihm zuerst (per Facelift) das Charaktergesicht wegnahmen, um die Baureihe dann 2017 ganz einzustellen. Einen adäquaten Nachfolger bekam er nicht. So etwas wie der Yeti fehlt am Markt: günstig, komfortabel, richtig gut zu fahren und trotz geringer Abmessungen mit viel Platz gesegnet, ohne ein Nutzfahrzeug zu sein. Geradezu klassenlos. Das ganze Auto ein Fahrzeug gewordener Wahlspruch: simply clever.

Der Skoda schlechthin ist aber noch immer der Octavia. In den Jahren 2019 und 2020 war er sogar das meistverkaufte Auto Österreichs. Mit seiner aktuellen Generation schnuppern Kunden sogar Premium-Luft, obwohl Skoda doch eigentlich im Ranking der VW-Konzern-Marken nicht allzu weit oben steht. Doch der Innenraum wirkt hochwertiger und gelungener als die aktuellen Vertreter der Kernmarke. So sprengt der Skoda Octavia die Klassengrenzen, ohne die hauseigenen Werte zu kompromittieren. Skoda ist noch immer vergleichsweise günstig, und die sprichwörtlich simply cleveren Ausstattungsdetails vom Eiskratzer im Tankdeckel bis zum in der Türverkleidung verborgenen Regenschirm bleiben auch erhalten. Und es kommen immer wieder neue dazu.

Vorerst letzter Streich der Erfolgsgeschichte ist der Skoda Enyaq samt seiner Coupé-Version, eines der besten Elektroautos am Markt. Von billigen Einstiegsmodellen kann jetzt nicht mehr die Rede sein. Von der Billigmarke zum Establishment. Vor 30 Jahren hätte man bei Skoda wahrscheinlich kein Sakko getragen.

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