10.05.2022 14:40 |

Hightech-Zielerfassung

Starlink: Geheimwaffe der ukrainischen Artillerie

Mit Erfindungsreichtum und Guerilla-Taktiken leistet die ukrainische Armee der russischen Invasion seit Wochen erbitterten Widerstand. Auch nach der Neugruppierung russischer Verbände und einem Fokus auf den Osten des Landes erzielt Putins Armee nur geringe Geländegewinne. Der russische Feldzug ist zum Abnutzungskrieg geworden, bei dem Russen und Ukrainer über Dutzende Kilometer Distanz feindliche Truppen mit ihrer Artillerie ins Visier nehmen. Dabei haben die Truppen der Ukraine eine Geheimwaffe: moderne Software und das Satelliten-Internet Starlink von Elon Musk.

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Grundsätzlich haben beide Kriegsparteien in der Ukraine recht ähnliche Ausrüstung in Verwendung: Sowohl bei den russischen Invasoren als auch den ukrainischen Verteidigern kommt primär Artillerie aus der Sowjetzeit zur Verwendung, auch bei Kampfflugzeugen und Panzern nutzen Russen und Ukrainer in vielen Bereichen ähnliche Modelle.

Ukrainische Artillerie weit versprengt, aber effektiv
Eingesetzt werden die schweren Waffen unterschiedlich, hebt Trent Telenko, ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, in seiner Analyse auf Twitter hervor. Während Russland größere Artilleriestellungen aufbaut und von dort aus den Beschuss auf ukrainische Stellungen konzentriert, verteilt die Ukraine ihre Artillerie auf viele kleine Stellungen, die Ziele aus mehreren Richtungen unter Beschuss nehmen. Das verringert die Gefahr von Gegenangriffen, erfordert aber mehr Koordination.

Für die Koordination der Artilleriestellungen hat die Ukraine mit „GIS Art for Artillery“ eine moderne Steuerungs-Software programmieren lassen, mit der Artilleriefeuer präzise ins Ziel gelenkt wird und auch versprengte Stellungen zuverlässig koordiniert werden können.

Bei der Zielsuche kommen auf ukrainischer Seite auch vorgelagerte Späher zum Einsatz, die mit GPS-Laser-Systemen binnen Sekunden Ziele markieren und diese via Internet an Artilleriebesatzungen weitergeben. Normalerweise würde die Zielerfassung mehrere Minuten dauern.

Satellitenanbieter nach Cyberangriff gewechselt
Die ukrainische Zielsoftware setzte bereits zu Kriegsbeginn auf Satelliten-Internet, um die Kommunikation der Stellungen zu sichern. Allerdings wurde der zunächst genutzte Anbieter Satcom mit Beginn der Kampfhandlungen Ziel eines massiven russischen Cyberangriffes. Es kam zu großflächigen Ausfällen, weshalb man mittlerweile das vom US-Unternehmer Elon Musk bereitgestellte US-System Starlink für die Zielerfassungs nutzt.

Die Kombination aus der Steuerungs-Software und Starlink-Internet sorge dafür, dass die ukrainische Armee sogar über ein effektiveres Command-and-Control-System verfüge als das US-Militär, gibt sich Telenko beeindruckt.

Putins Hacker beißen sich an Starlink Zähne aus
Dabei erweist sich die Kombination als äußerst widerstandsfähig: Bisher konnten sämtliche russischen Versuche, mit Cyberangriffen die Starlink-Verbindungen der Ukrainer zu kappen, abgewehrt werden. Selbst in Geheimdienstkreisen zeigt man sich beeindruckt darüber, wie sich Putins Hacker an SpaceX und seinem Starlink-Netzwerk die Zähne ausbeißen.

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