DSK-Nachfolgerin

Christine Lagarde neue Chefin des Währungsfonds

Ausland
29.06.2011 07:29
Die französische Finanzministerin Christine Lagarde ist zur neuen Chefin des Internationalen Währungsfonds gewählt worden. Der Exekutivrat des IWF bestimmte die 55-Jährige, die als Favoritin für das Amt galt, am Dienstag in Washington einstimmig zur ersten Frau an der Spitze der internationalen Organisation. Die Französin wird am 5. Juli die Nachfolge ihres wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen Landsmannes Dominique Strauss-Kahn antreten.

Die Wahl Lagardes kam nicht überraschend, nachdem sich nach China und Russland kurz vor der entscheidenden Sitzung des Exekutivrats auch die USA und Brasilien hinter die europäische Kandidatin gestellt hatten. Einziger Gegenkandidat war der mexikanische Zentralbankchef Agustin Carstens.

Beide seien vom Exekutivrat als "gut qualifizierte Kandidaten" eingestuft worden, heißt es in der Erklärung des IWF. Auf Grundlage des erwünschten Profils und "nach Berücksichtigung aller relevanten Informationen über die Kandidaturen" habe sich das 24-köpfige Gremium schließlich "im Konsens" für Lagarde entschieden.

Die USA und Europa stimmen sich bei der Besetzung internationaler Finanzorganisationen bereits seit Jahrzehnten informell ab. Demnach stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird.

Die erste Frau an der Spitze einer Einrichtung zu sein, ist nichts Neues für Christine Lagarde. Vor ziemlich genau vier Jahren machte der französische Präsident Nicolas Sarkozy sie zur ersten Finanzministerin seines Landes. 

"Frauen zeigen weniger Libido, weniger Testosteron"
Lagarde ist für den Posten der IWF-Chefin wie geschaffen: Sie hat langjährige Finanzkompetenz, spricht Englisch wie ihre Muttersprache und kennt die Großen der Welt. Bei ihrer Bewerbung Ende Mai verkündete sie: "Ich werde meine Erfahrung als Anwältin, Unternehmenschefin, Ministerin und Frau einbringen". In dem neuen Job dürfte sie einen ganz anderen Führungsstil pflegen als ihr Vorgänger und Landsmann Dominique Strauss-Kahn. Frauen zeigten in öffentlichen Ämtern "weniger Libido, weniger Testosteron", bemerkte die Ministerin im Herbst 2010.

Sie dachte damals sicher nicht an sexuelle Übergriffe, wie sie Strauss-Kahn zur Last gelegt werden, sondern an eine andere Gesprächskultur: "Wir werden nicht unbedingt unser Ego in einer Verhandlung raushängen und dadurch unseren Standpunkt durchsetzen und unseren Partner erniedrigen", erläuterte sie die weibliche Haltung.

Die ehemalige französische Vize-Meisterin im Synchronschwimmen kennt sich aus in einem männerdominierten Umfeld. Mit 25 Jahren begann sie in der renommierten US-Anwaltskanzlei Baker and McKenzie und legte dort eine brillante Karriere bis zur Leitung hin. "Ich kann mich daran erinnern, wie ich mit den Akten auf der einen Seite und dem Fläschchen auf der anderen mein Baby fütterte", erinnert sich die Mutter zweier erwachsener Söhne.

Politische Karriere 2005 als Staatssekretärin gestartet
Ihre politische Karriere begann die zweimal geschiedene Lagarde, die mit einem Unternehmer aus Marseille liiert ist, erst 2005. Da übernahm sie den Posten der Staatssekretärin für Außenhandel. Gleich zu Beginn lieferte sie sich einen Patzer, als sie das damals noch als unantastbar geltende Arbeits- und Sozialrecht als "Bremse für die Beschäftigung" kritisierte. Auch mit Deutschland, Frankreichs engstem Partner, eckte die Ministerin im vergangenen Jahr an, als sie den Exportüberschuss des Nachbarlandes kritisierte. Doch dem internationalen Ansehen der stets elegant gekleideten Ministerin hat das alles kaum geschadet.

Beim IWF, wo Strauss-Kahn umfangreiche Reformen einleitete, will Lagarde den Weg ihres Vorgängers fortsetzen. Die Finanzinstitution müsse "reaktionsfähiger, engagierter" werden, kündigte Lagarde in ihrem Bewerbungsgespräch an. Sorgen der Schwellenländer, dass sie in Washington vor allem die europäischen Interessen vertreten könnte, versuchte die 55-Jährige zu zerstreuen: "Ich bin nicht hier, um die Interessen einer bestimmten Region zu vertreten, sondern alle Mitgliedsstaaten", sagte Lagarde.

Barroso lobt "Expertise, Erfahrung und Talent" Lagardes
Die Wahl Lagardes ist in der Nacht auf Mittwoch von der EU und der Weltbank begrüßt worden. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte sich positiv zu der Personalentscheidung des IWF. In einer Mitteilung lobte er die "Expertise, Erfahrung und das Talent" Lagardes. Der IWF und die EU-Kommission hätten in den vergangenen Monaten Tag für Tag zusammengearbeitet, um den Euro-Staaten mit Schwierigkeiten zu helfen. "Ich wünsche mir, diese engen Beziehungen und die Kooperation zu verstärken", sagte Barroso. Eine Gratulation kam am späten Abend auch von Weltbank-Präsident Robert Zoellick.

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