Franz Kafka und Milena Jesenská schrieben sich einige Jahre Briefe. Lediglich wenige Tage verbrachten sie tatsächlich miteinander. Seine Briefe wurden zu Literaturgeschichte; die Briefe, die Jesenská an den großen Schriftsteller schrieb, scheinen dagegen verschollen zu sein. Aus dem dürftigen Material zauberte Tribüne-Regisseurin Cornelia Metschitzer dennoch das Stück „Vor dem Fenster liegt die Welt“, das sie für zwei Personen auf der Bühne und zwei Erzählerstimmen aus dem Off konzipierte.
Rekapituliert werden die jungen Jahre Jesenskás vor der Folie der Ersten Tschechoslowakischen Republik unter Präsident Tomaš Masaryk und Österreich nach der Monarchie. Bildprojektionen auf der Bühne sorgen für Zeitkolorit. Jesenská heiratete nach Wien, führte eine unglückliche Ehe, übersetzte Kafka und verliebte sich in ihn. Höhepunkt der Inszenierung ist ihre zarte Begegnung, von Aussichtslosigkeit überschattet.
Kafkas Angst vor Menschen und seine Lungenkrankheit beenden die Affäre.
Sehnsucht und Widerstand
Simone Neumayr lässt in der Rolle der Jesenská vieles spüren: starken Widerstand gegen Bürgerliches, eine Sehnsucht nach echter Liebe und den Drang der Journalistin, in die Hinterhöfe der Armut zu schauen, um alles aufzuzeichnen. Rudi Mühllehner in Mehrfachrollen gibt auch dem schüchternen Kafka Profil. Einzig die teils langatmige Off-Erzählung könnte Straffung vertragen, etwa indem mehr tatsächlich ausgespielt wird.
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