Abgrenzung von USA
Ratingagenturen: Europa-Alternative in Frankfurt?
"Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen", sagte Maijoor gegenüber der Zeitung. Der ESMA-Chef unterstrich damit den Anspruch der Europäer, mit ihren Regulierungsregeln in Abgrenzung zu den USA eigene Standards für die Risikobewertung zu setzen. Ab 7. Juli wird die ESMA alleiniger Aufseher über die Ratingagenturen in Europa. Auch Agenturen aus Drittstaaten wie den USA müssen von ihr dann lizenziert werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ihre Ratings in Europa genutzt werden, hieß es in der Zeitung.
Erste Euro-Ratingagentur in Frankfurt?
Nach der anhaltenden Kritik an den amerikanisch dominierten Ratingagenturen wird nach Informationen des Beratungsunternehmens Roland Berger die Gründung einer europäischen Alternative in Frankfurt geprüft. Die Beraterfirma teilte am Freitag in Frankfurt mit, "dass Sondierungsgespräche mit Vertretern der hessischen Landesregierung, von Frankfurt Main Finance e.V. und der Deutschen Börse geführt werden, mit dem Ziel, eine europäische Ratingagentur in Frankfurt am Main zu gründen, zu etablieren und zu entwickeln". An der Initiative sollen sich demnach Unternehmen und Institutionen aus ganz Europa beteiligen.
Über die Gründung einer unabhängigen europäischen Ratingagentur wird seit Jahren diskutiert, zuletzt hatten sich das Europaparlament und auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine solche europäische Antwort auf die mächtigen Agenturen ausgesprochen. Diese spielen eine zentrale Rolle bei der aktuellen europäischen Schuldenkrise: Je tiefer sie den Daumen senken, umso schwieriger wird die Refinanzierung der betroffenen Länder. Im Falle Griechenlands droht beispielsweise die Pleite, falls die Agenturen die Beteiligung privater Gläubiger als Zahlungsausfall bewerten.
Agentur müsse vollkommen unabhängig sein
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sagte: "Ich begrüße sehr, dass das Vorhaben einer Europäischen Ratingagentur am Finanzplatz Frankfurt initiiert wurde und dass jetzt konkrete Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet werden." Die europäische Agentur müsse vollkommen unabhängig sein, forderte der Vorsitzende des Börsenrates der Frankfurter Börse und Präsidiumssprecher der Initiative Frankfurt Main Finance e.V., Lutz Raettig. Gleichzeitig sprach er sich für den Standort Frankfurt aus: "Frankfurt empfiehlt sich als Standort aufgrund der Nähe und des intensiven Austausches mit der Europäischen Zentralbank und dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken."
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