"Durch Riad gekurvt"
Saudische Frauen proben Revolution am Steuer
Die Aktivistinnen hatten Frauen aufgerufen, sich trotz des geltenden Frauenfahrverbotes ans Steuer eines Autos zu setzen und durch die Innenstadt von Riad zu fahren. Eine Frau, die ihren Namen mit Maha angab, erklärte: "Ich bin ohne Probleme durch Riad gekurvt." Auch in der östlichen Stadt Dammam fuhren mehrere Frauen in Begleitung von Verwandten die Uferstraße entlang. So berichtete Tawfik al-Saif aus Dammam der Nachrichtenagentur dpa: "Ich bin mit meiner Frau heute zum Markt gefahren - und sie saß am Steuer."
Frau stellte Clip ins Netz
Rund um die König-Abdulaziz-Straße in Riad sahen Augenzeugen am Morgen Dutzende langbärtiger Islam-Polizisten, die offensichtlich gekommen waren, um Frauen am Autofahren zu hindern. Doch bereits am frühen Morgen hatte eine saudi-arabische Frau ein Video auf Youtube veröffentlicht, das sie bei einer Autofahrt zeigt. Die Frau, deren Gesicht nicht zu erkennen ist, erklärte, sie habe die Aufnahme an diesem Freitag vor Sonnenaufgang in Riad gemacht. Trotzdem gab sich die Aktivistin Wajiha al-Howaidir enttäuscht: "Ich hätte gedacht, dass mehr Frauen dem Aufruf folgen würden."
Eine berufstätige Mutter aus der saudi-arabischen Ostprovinz hatte im Mai mehrere Tage in einem Frauengefängnis verbringen müssen, nachdem sie mit dem Auto gefahren war. Die Organisatorinnen der Fahrproteste nahmen diesen Fall zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass es in Saudi-Arabien kein Gesetz gebe, das Frauen das Fahren verbietet, sondern lediglich eine als Fahrverbot interpretierte Fatwa - ein religiöses Rechtsgutachten. Dieses mache das Fortkommen für Frauen jedoch zu einem schwierigen Unterfangen: Entweder müssen sie sich von den Männern aus ihrer Familie fahren lassen oder Chauffeure engagieren - und das, obwohl viele Frauen schon längst im Ausland ihren Führerschein gemacht haben.
Saudische Männer empört
Der offene Widerstand der Aktivistinnen gegen die geltenden Regeln im Königreich hatte im Ausland für Schlagzeilen gesorgt. Daraufhin sprachen sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Islamgelehrte erneut gegen eine Aufhebung des Verbots aus, das mit den "Traditionen des Königreichs" begründet wird. Eine Gruppe saudi-arabischer Männer wollte das Fahrverbot sogar mit Gewalt durchsetzen. Sie erklärten, die widerspenstigen Frauen mit den schwarzen Riemen (lgal), mit denen arabische Männer ihre traditionelle Kopfbedeckung befestigen, schlagen zu wollen. Im Internet gründeten selbstbewusste Frauen daraufhin eine Gruppe, die versprach: "Jeden, der mit seinem Igal eine Frau schlägt, den hauen wir mit unseren Schuhen."
Angesichts der weltweiten Solidaritätskampagne "Women 2 Drive", die Frauen in aller Welt dazu aufgerufen hatte, sich am Freitag hinters Steuer zu setzen, hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die saudische Führung am Donnerstag aufgefordert, das Fahrverbot für Frauen aufzuheben. Der Vizedirektor der Organisation für den Nahen Osten und Nordafrika, Philip Luther, erklärte, dies sei nur eines von vielen Beispielen für die Diskriminierung von Frauen in dem arabischen Land.
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