"Habe Immunität"
DSK berief sich bei Festnahme auf Diplomatenstatus
"Ich habe diplomatische Immunität", sagte der 62-jährige Franzose demnach, als die Polizei ihn kurz nach der angeblichen Tat auf dem John-F.-Kennedy-Flughafen aus einem startbereiten Flugzeug holten und ihm Handschellen anlegten. Als die Beamten seinen Pass sehen wollten, sagte der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds laut Akten unter Bezug auf den Diplomatenstatus: "Es steht nicht in diesem Pass, ich habe einen zweiten Pass."
Erst Stunden später, als die Polizisten noch einmal auf eine mögliche diplomatische Immunität zurückgekommen seien, habe Strauss-Kahn gesagt, dass er nicht versuche, diese zu nutzen. "Ich wollte nur wissen, ob ich einen Anwalt benötige", soll er entgegnet haben.
Schon kurz nach der Festnahme hatte der Währungsfonds mitgeteilt, dass Strauss-Kahn keine diplomatische Immunität genieße. Seine Immunität "ist begrenzt und ist nicht auf diesen Fall anwendbar", hieß es beim IWF. Sein Anwalt, Benjamin Brafman, äußerte sich nach Angaben der amerikanischen Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" zunächst nicht auf die aktenkundlichen Angaben der Staatsanwaltschaft.
Strauss-Kahn "lotste" Polizei auf den Flughafen
Die Akten dokumentieren 17 kurze Gesprächswechsel zwischen einem offenbar verwirrten Strauss-Kahn und den Beamten bei seiner Festnahme. So schreibt die "New York Times" am Freitag, dass der Franzose die Polizisten zunächst für Gesandte seines New Yorker Hotels gehalten und gefragt habe: "Habt ihr mein Handy?"
Seine Suche nach dem im Hotel zurückgelassenen Handy habe die Polizei auf die Spur von Strauss-Kahn geführt, hieß es in der Zeitung. Demnach rief er vom JFK-Flughafen im Hotel an und bat, dass das Telefon zu seinem Terminal gebracht werde. Die nach der mutmaßlichen Vergewaltigung bereits alarmierte Polizei hörte den Anruf ab und folgte seiner Beschreibung.
Musste Termin mit Merkel absagen
Der mündliche Austausch Strauss-Kahns mit den Polizisten reicht von banalen Fragen zu WC-Besuch, Essen und Trinken - der Ex-IWF-Chef soll nach Eiern gefragt haben - bis zur rauen Realität des Strafrechtssystems. Aus den Akten geht nämlich weiter hervor, dass Strauss-Kahn nach der Festnahme darum bat, dass ihm die Handschellen zur Lockerung vor dem Körper und nicht hinten angelegt werden sollten. Zudem bat er um mehrere Telefongespräche, um einen Termin für den darauffolgenden Tag abzusagen - den Berichten nach mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Strauss-Kahn, der auch als möglicher Herausforderer von Nicolas Sarkozy bei den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gegolten hatte, war nach seiner Festnahme von seinem Posten als IWF-Chef zurückgetreten und wartet derzeit unter Hausarrest in einem New Yorker Stadthaus auf den Prozessbeginn.
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