Die Lage innerhalb der Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) ist weiter angespannt. Vor einer Woche ereilten die „Krone“ Hilferufe nach mehr Personal. Am Montag setzte der Betriebsrat erneut ein Schreiben an Geschäftsführung und Politik auf. Er fordert eine Mitarbeiterversammlung, bei der Klartext gesprochen werden soll.
Die Ukraine-Krise habe die Flüchtlingsgesellschaft kalt erwischt. Die Mitarbeiter wurden von heute auf morgen mit neuen Aufgaben konfrontiert, nahezu täglich kommen neue Klienten dazu. Jedoch scheint nicht alles klar zu sein, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Für die Betriebsräte, vertreten durch Harald Gheri, seien etliche Fragen offen: „Wir fordern volle Aufklärung darüber, was die aktuelle Lage für unsere Mitarbeiter bedeutet, was auf uns zukommt, was wir zu leisten haben, was wir dafür erhalten und wie wir mit der Krise umgehen. Denn wir wollen keine weiteren Mitarbeiter verlieren.“
Diese Aufklärung soll im Zuge einer Mitarbeiter-Versammlung - ohne Anwesenheitspflicht - mit Redefreiheit und Aufklärungsgarantien erfolgen - und zwar „unverzüglich und nicht irgendwann“.
„Was wir nicht möchten, ist eine reine oberflächliche Aufklärung, Schönredereien oder diverse Durchhalteansprachen. Der Mitarbeiterstab benötigt nachhaltige Details vonseiten der Verantwortlichen der TSD sowie auch des Landes Tirol und nicht nur wöchentliche Info-Mails zur Ukraine-Krise. Und er benötigt effektive und praxistaugliche Hilfe. Während dieser Krise hat die Geschäftsführung für die Mitarbeiter da zu sein – die ganze Woche über vor Ort“, betonen die Betriebsräte.
Wo drückt konkret der Schuh? Wie bereits berichtet, herrscht derzeit ein eklatanter Personalmangel innerhalb der TSD. „Und wir nehmen etwa verstärkt organisatorische Stützkräfte auf, die jedoch nicht betreuen dürfen. Was bringt das? Wo sind offizielle Betreuer?“, verdeutlicht der Betriebsrat.
Weder LH Platter noch LR Fischer lässt Causa kalt
Die zuständige LR Gabriele Fischer (Grüne) betont zur Causa: „Der Krisenstab des Landes beurteilt die Ukraine-Lage täglich neu. Wir alle müssen wöchentlich mit neuen Entwicklungen rechnen und damit arbeiten. Dies tun wir durch klare Strukturen und Abläufe, auch in Richtung der TSD.“ Auf die Frage, ob es eine Mitgliederversammlung geben werde, antwortet sie: „Diese Entscheidung steht mir nicht zu und ist Sache der operativen Tätigkeit der TSD. Bis zu Ihrer Anfrage wusste ich auch nichts von diesem Anliegen.“ Kurios, denn das Schreiben wurde nachweislich auch an die Landesrätin geschickt.
Der Mitarbeiterstab soll bestmöglich informiert und aufgeklärt werden.
LH Günther Platter
Ebenfalls Stellung bezieht LH Günther Platter (ÖVP): „Betriebs- und Mitarbeiterversammlungen sind ein wesentliches Recht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – auch bei der TSD GmbH. Der Mitarbeiterstab soll bestmöglich informiert und aufgeklärt werden.“ Nachsatz: „Ich gehe schon davon aus, dass man dem Informationswunsch der Belegschaft vollumfassend nachkommen wird. Zudem erwarte ich mir von der TSD-Führung, dass man die Flüchtlingsgesellschaft im Schulterschluss mit dem Mitarbeiterstab in ruhige Fahrwasser führt.“
„Es wird sehr zeitnah eine Abstimmung geben“
Und welchen Standpunkt vertritt die TSD-Geschäftsführung? „Wir unterstützen den Wunsch nach Information und Kommunikation, besonders in dieser aktuell so intensiven Phase. Es wird sehr zeitnah eine Abstimmung mit dem Betriebsrat geben und der beste Weg gefunden. Ob dies eine Mitarbeiterversammlung oder ein anderes sinnvolles Vorgehen ist, wird in den Gesprächen geklärt“, betont Florian Stolz von der TSD. Erhöhte Fluktuation in der Mitarbeiterschaft gebe es derzeit keine.
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