Twitter-Affäre

Ehefrau hält nach Panne weiter zu US-Abgeordnetem

Ausland
09.06.2011 08:15
Am 27. Mai ist dem US-Abgeordneten Anthony Weiner ein folgenschweres Missgeschick passiert: Er twitterte versehentlich ein Foto, das seine eng anliegende Feinripp-Unterhose mit verdächtiger Ausbuchtung zeigte, samt Nachricht, die er einer jungen Online-Bekanntschaft schicken wollte. Auf Twitter waren die Botschaft und die Bilddatei mit dem vielsagenden Namen "Package.jpg" (Paket) für 56.000 Fans sichtbar. Obwohl die Panne weltweit für Gelächter sorgte, hält seine Ehefrau Huma Abedin weiter zu ihm.

Die 36-jährige Powerfrau (links) ist eine enge Mitarbeiterin von US-Außenministerin Hillary Clinton, deren Mann Bill im vergangenen Juli ihre Trauung mit dem vielversprechenden demokratischen Politiker geleitet hatte. Bei einer gemeinsamen Dienstreise nach Afrika und in den Mittleren Osten wird die selbst leidgeprüfte Clinton-Ehefrau Abedin sicher gute Ratschläge für den Umgang mit notorisch untreuen Ehemännern geben können.

Ehefrau hält treu zu Weiner
Öffentlich hält Huma Abedin jedenfalls treu zu Weiner, nach seinem tränenreichen Geständnis gingen die beiden miteinander essen. "Sie liebt ihn und weiß, dass er sie auch liebt", erklären Freunde. Das hielt den Abgeordneten jedoch nicht davon ab, monatelang Handyfotos von sich in eindeutigen Posen (etwa mit nacktem Oberkörper; siehe Bild) an mindestens sechs junge Twitter- und Facebook-Freundinnen zu verschicken und auch mit Pornostar Ginger Lee Telefonsex zu haben.

Nach dem Auffliegen der peinlichen Affäre hatte der 46-jährige Demokrat aus New York zunächst alles abgestritten und behauptet, er sei Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Am Montag stellte er sich jedoch in einer tränenreichen Pressekonferenz der Öffentlichkeit (siehe Bericht und Video in der Infobox). Bei dieser räumte er ein, Bilder seines Gemächts via Web an mehrere junge Frauen verschickt zu haben und entschuldigte sich bei seiner Gattin.

Tage als Spitzenpolitiker vermutlich gezählt
Die Tage von Weiner als Spitzenpolitiker dürften gezählt sein, auch wenn er bereits ankündigte, seinen Sitz im Repräsentantenhaus nicht aufgeben zu wollen. Der 46-Jährige - dessen Familienname im Englischen wie die Wiener Wurst (bei uns als Frankfurter bekannt) ausgesprochen wird, die wiederum in der Umgangssprache eine Bezeichnung für das männliche Geschlechtsteil ist - galt bis zum Auffliegen der Affäre als ein Favorit bei der New Yorker Bürgermeisterwahl 2013.

Die demokratische Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, hat jedenfalls bereits ankündigt, eine Ethikkommission werde Weiners Verfehlungen untersuchen. Dabei gehe es um die Frage, ob er für seine Sex-Kontakte staatliche Ressourcen genutzt oder anderweitig gegen die Regeln der Kongresskammer verstoßen habe, hieß es. Zudem sprachen sich am Mittwochabend mindestens sechs demokratische Mitglieder des Repräsentantenhauses für einen Rücktritt Weiners aus, darunter die einflussreiche Abgeordnete Allyson Schwartz.

Der Fall Wiener schlägt seit Tagen Wellen in den USA, der Politiker ist aber in bester Gesellschaft. Erst kürzlich war der ehemalige demokratische Präsidentschaftsbewerber John Edwards angeklagt worden: Er soll im Vorwahlkampf 2008 Spendengelder missbraucht haben, um eine außereheliche Affäre zu vertuschen.

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