Der Klimawandel schreitet massiv voran. Mit einer weitsichtigen Raumplanung könnte Vorarlberg dem entgegenwirken. Allerdings fehlt es an der nötigen Konsequenz.
Ende Februar wurde der zweite Teil des Weltklimaberichts präsentiert. Im Schatten des Krieges in der Ukraine waren die Reaktionen nicht mit jenem Aufschrei zu vergleichen, den der erste Teil im vergangenen Jahr auslöste. Der Inhalt kann jedenfalls nicht der Grund für die vergleichsweise verhaltenen Reaktionen gewesen sein. Im Gegenteil: Das Zeitfenster für effektive Klimaschutzmaßnahmen wird immer kleiner und kleiner.
Auch auf die Entwicklung von Städten und Dörfern wird die Klimadebatte massive Auswirkungen haben. Ob positiv oder negativ hängt davon ab, wie rasch gehandelt wird - raumplanerische Maßnahmen haben schließlich eine Vorlaufzeit von bis zu 30 Jahren.
Auf erneuerbare Energie setzen
Wenngleich Vorarlberg den Dialog zwischen Wirtschaft und Umweltschutz intensivieren möchte, scheint Letzterer nach wie vor zu kurz zu kommen. „Gesetzgebung und Förderschiene sind hierzulande wenig klimatauglich“, so der Experte für Raumplanung, Markus Berchtold. Zwar setze sich die Landesregierung ambitionierte Ziele, jedoch ohne konkrete Vorgaben. Zwei Beispiele: Bis 2030 soll Vorarlbergs Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erfolgen. Eine zentrale Rolle neben der Wasserkraft nimmt dabei die Photovoltaik ein, weshalb die Anzahl von PV-Anlagen verdreifacht werden soll.
Aber nur auf bereits bebauten Flächen, denn Acker- und Grünflächen sind laut Landesregierung tabu. Allein: „Bei vielen Dächern ist das gar nicht sinnvoll“, so Berchtold und gibt weiters zu bedenken: „Es gibt auch keine Verpflichtung, so zu bauen, dass eine optimale Stromproduktion mittels PV-Anlage betrieben werden kann.“ Als eine weitere Maßnahme zur Klimawandelanpassung sollen begrünte Dächer forciert werden. Doch auch dafür würden laut Berchtold die passenden Rahmenbedingungen fehlen.
Klimaziele müssen auch ernst genommen werden
Klimafreundlichkeit bedeutet letztlich immer auch einen effizienten Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. So wäre etwa der Bedarf an neuem Wohnraum überschaubar - Berchtold schätzt, dass in Vorarlberg aktuell rund 8500 Wohnungen leer stehen. Wie viele es genau sind, weiß allerdings niemand: So spricht eine im Auftrag des Landes 2018 durchgeführten Studie von lediglich zwischen 2000 und 4000 leerstehenden Wohnungen.
Doch so oder so steht außer Frage: Meint man es mit den Klimazielen ernst, muss die Sanierungsrate erheblich gesteigert werden - laut Berchtold von derzeit rund einem auf mindestens vier Prozent: „Wie wir das schaffen wollen, ist noch unklar. Und selbst wenn die Voraussetzungen perfekt wären, würden uns derzeit die Handwerker für eine Sanierungsoffensive fehlen.“
Ein urbaner Raum der kurzen Wege
Besonders groß wäre das Potenzial für einen klimafreundlicheren Lebensraum im Rheintal. Denn urbane Strukturen sind per se keineswegs klimaschädlich - vorausgesetzt, man schafft durch eine kluge Planung eine „Welt der kurzen Wege“. Davon könne derzeit allerdings noch keine Rede sein, so Berthold.
Er stellt in diesem Zusammenhang gleich mehrere kritischen Fragen in den Raum: „Wo sind die Fuß- und Radwege, die attraktiv und ausreichend breit sind? Wo sind die Rastplätze entlang der Wege? Und wo sind die Busfahrer? Erst wenn wir eine noch engere Taktung haben, werden die Öffis zum standardmäßigen Verkehrsmittel.“
Zudem bestehe natürlich die Gefahr, dass mit dem Grad der Verstädterung auch die Bodenversiegelung zunehme. Umso wichtiger sei es daher, großzügigen, ökologisch wertvollen und frei zugänglichen Grün- und Parkflächen genügend Raum zu geben. Berchtold jedenfalls ist überzeugt: „Wir hätten viele Möglichkeiten, um auf den Klimawandel zu reagieren und eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Aber wir müssen sie auch nutzen.“
Raumplaner Markus Berchtold im Gespräch mit Christiane Mähr.Je grüner eine Stadt ist, desto lebenswerter ist sie letztlich auch. Ohne Photovoltaik keine Energiewende. Allerdings müssen für einen Ausbau auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Städte mit kurzen Wegen und einem entsprechenden Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln sind gut fürs Klima.










Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.