Heiße Spur?
EHEC-Auslöser in Lübeck oder Hamburg vermutet
Das Restaurant in Lübeck wurde bereits von Experten des Robert-Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Risikobewertung untersucht. Doch sei der EHEC-Verdacht vor Ort nicht erhärtet worden, berichtete der Betreiber anschließend.
Den "Lübecker Nachrichten" zufolge hatten sich 17 Menschen in der Gaststätte mit EHEC infiziert. "Die Lieferantenkette kann möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist", zitierte das Blatt Werner Solbach, Mikrobiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" auf ihrem Online-Portal "jetzt.de" berichtet, dass sich 34 Frauen von der Deutschen Steuergewerkschaft vom 12. bis 14. Mai in Lübeck getroffen hatten. Mindestens acht von ihnen hätten sich den EHEC-Keim zugezogen, eine der Frauen sei sogar gestorben.
EHEC seit Hafengeburtstag im Umlauf?
Nach einem Bericht des Magazins "Focus" wird im Robert-Koch-Institut allerdings auch der These nachgegangen, dass die Infektionen ihren Ursprung möglicherweise beim Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai hatten. Gut eine Woche nach dem Fest mit etwa 1,5 Millionen Menschen seien die ersten Patienten mit Durchfall ins Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf gekommen.
Streit über Krisenmanagement ausgebrochen
Unter führenden Wissenschaftlern ist inzwischen Streit über das Krisenmanagement ausgebrochen. Der ärztliche Direktor der Berliner Charite kritisierte die Arbeit des RKI. Das Universitätsklinikum habe erst in dieser Woche Fragebögen für die Patienten bekommen, sagte Ulrich Frei dem "Tagesspiegel". "Das reicht nicht. Man hätte die Patienten interviewen sollen."
Es sei zudem nicht erkennbar, was das RKI erarbeite. "Wir brauchen eine bessere Informationspolitik", forderte Frei. Dass sich der EHEC-Erreger seit Anfang Mai ausbreite, außer Gurken aus Spanien aber keine mögliche Quelle ermittelt worden sei, mache ihn unruhig. Laut "Tagesspiegel" wies eine RKI-Sprecherin die Vorwürfe zurück. Das Institut habe nach Ausbruch des Darmkeims zügig reagiert.
Gemüse gilt nicht als Auslöser
Auf der Suche nach der Ursache für die rasante Ausbreitung des Darmkeims haben unterdessen italienische Wissenschaftler verseuchtes Gemüse ausgeschlossen. Tests hätten ergeben, dass kontaminiertes Gemüse nicht der Grund für die massenhaften Infektionen sei, erklärte das EU-Referenzlabor für E-Coli-Bakterien in Rom am Freitag. "Panikmache zum Konsum von Gemüse ist nicht gerechtfertigt", erklärte das Labor, das zum italienischen Gesundheitsinstitut ISS gehört. Die bestehenden Hygienenormen zur Lebensmittelsicherheit reichen aus, um Infektionen zu vermeiden.
Donato Greco von der Weltgesundheitsorganisation vertrat in der römischen Zeitung "La Repubblica" die These, die Infektionen könnten eher im Fleisch als im Gemüse ihren Ursprung haben. "Der Erreger ist üblicherweise im Darm von Rindern zu finden und damit auch in rohem Fleisch wie Tartar oder schlecht gekochten Hamburgern." Er habe noch nie derart gefährliche Darmkeime auf Obst und Gemüse festgestellt.
Warnung vor Gemüse in Deutschland weiter aufrecht
Das Robert-Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärten dagegen am Freitagabend, es werde weiterhin empfohlen, "vorsorglich Tomaten, Salatgurken und Blattsalate nicht roh zu verzehren". Diese Warnhinweise würden durch die Ergebnisse von neuen epidemiologischen Studien des Robert-Koch-Instituts bestätigt. Eine Befragung von Erkrankten habe ergeben, dass 95 Prozent von ihnen mindestens eine der drei Gemüsearten verzehrt hatten. Die Warnung gelte vor allem in Norddeutschland.
Zahl der EHEC-Fälle steigt weiter
Trotz aller Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen steigt die Zahl der Erkrankten in Deutschland immer noch an. Die Zahl der gemeldeten schweren Infektionen mit aggressiven EHEC-Bakterien (HUS) hat sich inzwischen auf 520 erhöht. Das teilte das Robert Koch-Institut am Freitag mit. Am Mittwoch waren dort erst 470 HUS-Patienten registriert. Bisher sind nach Meldungen aus den deutschen Bundesländern 18 Todesfälle durch HUS bekannt.
Deutsche Touristin mit EHEC-Verdacht im AKH
Auch in Österreich ist wieder eine deutsche Urlauberin mit EHEC-Verdacht ins Krankenhaus eingeliefert worden (siehe Infobox). Seit Freitag wird die Frau im Wiener AKH behandelt. Wie die Generaldirektion des Krankenanstaltenverbunds am Samstag mitteilte, werden erst am Dienstag die Untersuchungsergebnisse der AGES vorliegen, die zeigen, ob es sich um die aggressive Form des Keims handelt. Der Zustand der 32-Jährigen sei allerdings stabil.







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