Taktischer Rückzug
Markenrechte: Disney gibt Bin-Laden-Goldmine auf
Theoretisch hätten bei positiver Erledigung der Anträge Merchandise-Artikel wie Spielzeugsoldaten, T-Shirts und Schuhe, aber auch entsprechende Filme und Computerspiele und sogar Schneekugeln, Weihnachtssocken und -dekorationen als Teil eines "Seal Team 6"- Sortiments von Walt Disney ihren Weg in die Geschäftsregale finden können (siehe Infobox).
Spott und Hohn statt bare Münze
Als Begründung für den nun angekündigten Rückzug gab der Unterhaltungskonzern an, er würde "aus Ehrerbietung vor der Navy" erfolgen, wie ein Sprecher der Firma dem amerikanischen Wall Street Journal mitteilte. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich Disney zu dem Schritt gezwungen sieht, nachdem nicht nur Komiker, sondern auch ernsthafte Kritiker den Versuch des Konzerns, die Bin-Laden-Tötung in bare Münze zu verwandeln, mit Häme bedachten.
Jon Stewart, Moderator der populären TV-Sendung "The Daily Show", scherzte, dem "SEAL Team 6" ein Markenzeichen zu verpassen, sei, als würde man "die Männer, die den Strand der Normandie gestürmt haben" urheberrechtlich schützen lassen. Navy-Offiziere zeigten sich nach dem Bekanntwerden des freiwilligen Rückziehers von Disney erleichtert, hatten sie sich doch bereits auf einen langen Markenrechts-Kampf mit dem Konzern eingestellt.
Navy vergibt selbst "SEALs"-Lizenz für Videospiele
Die erste Reaktion der Navy, nachdem Disneys Anträge publik wurden, war nämlich, eigene Markenrechts-Anträge mit den Formulierungen "SEAL Team" und "Navy SEALs" beim amerikanischen Amt für Patente und Markenzeichen (United States Patent and Trademark Office, USPTO) einzureichen.
Diese Ausdrücke würden laut Navy die "Mitgliedschaft in einer Organisation der Navy" bezeichnen, "die militärische Missionen in Zusammenhang mit Strategien, Grundlagen und Taktiken von Spezialeinsätzen entwickeln und ausführen". Das Markenzeichen "SEALs" wird bereits seit einiger Zeit von der Navy erfolgreich als Lizenz für Videospiele und andere Produkte an Firmen vergeben.
Disneys Absichten missverstanden?
Während Danny Hernandez, offizieller Sprecher der Navy, das volle Engagement der US-Marine beim Schutz ihrer Markenrechte betonte, meinte ein Disney-Insider im Gespräch mit dem "Wall Street Journal" wiederum, dass die Absichten des Konzerns missverstanden worden seien. Der Unterhaltungsriese, der auch im Besitz des US-Fernsehsenders ABC ("Desperate Housewives", "Lost", "Grey's Anatomy") ist, habe lediglich über eine TV-Serie basierend auf der Elite-Einheit nachgedacht, ähnlich anderer bereits erfolgreich laufender fiktiver Serien über reale Teile des Militärs, wie z.B. "NCIS" und "JAG".
Andere mögliche Verwendungszwecke, die in den Patent-Anträgen genannt wurden, hätten nicht notwendigerweise Produkte dargestellt, die Disney auch tatsächlich hergestellt hätte, so der Insider – also doch kein "SEAL Team 6"-Christbaumschmuck.
Keine Markenrechte für Team, das nicht existiert
Indessen versichert Navy-Sprecher Hernandez gegenüber amerikanischen Medien, die Anträge der Navy im Zusammenhang mit "SEAL Team 6" würden keinen direkten Konter auf die Disney-Anträge darstellen, sondern vielmehr Bestrebungen, die existierenden Markenrechte der Navy über das Wort "SEAL" hinaus zu erweitern. Doch während "Navy SEALs" und "SEAL Team" künftig das "Portfolio" der Navy ergänzen sollen, wurde von der Navy kein Antrag auf "SEAL Team 6" gestellt.
Der Grund dafür dürfte in der Geheimhaltung zu finden sein: "Wir würden sicherlich keinen Antrag auf Markenrechte für ein SEAL-Team wie 'SEAL Team 6' stellen, das nicht existiert", meinte ein Navy-Beamter dazu. Die Navy erkennt lediglich die Existenz der SEAL-Teams 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8 und 10 an. Ein Team 9 wurde niemals bestätigt, und die Elite-Einheit "SEAL Team 6" wird offiziell als United States Naval Special Warfare Development Group (DevGru) bezeichnet. Inoffiziell ist DevGru als "SEAL Team 6" bekannt.
Immer wieder "Angriffe" der Unterhaltungsindustrie
Fakt ist, dass der Versuch Disneys, sich die Markenrechte an der Navy-Spezialeinheit zu sichern, nicht den ersten "Angriff" dieser Art der Unterhaltungsindustrie auf das Militär darstellt. Paramount Pictures beantragte vor Jahren die Rechte an der Bezeichnung "JAG" – die gleichnamige Serie über den "Judge Advocate General's Corps" der Navy (JAG) erfreute sich immerhin zehn Jahre lang auch im deutschsprachigen Fernsehen großer Beliebtheit.
Erst im vergangenen Jahr wollte sich dann der Medienkonzern CBS, der für Krimiserien wie "CSI" bekannt ist, die exklusiven Rechte am Naval Criminal Investigation Service (NCIS) sichern, um diesen u.a. auch auf Baby-Bekleidung zu Geld zu machen. "NCIS" und sein Ableger "NCIS: Los Angeles" zählen aktuell zu den erfolgreichsten Serien des TV-Senders.
Von den Anträgen der NCIS-Markenrechte weiß die Navy offiziell nichts, räumt aber eine lange Arbeitsbeziehung mit CBS bei den NCIS-Serien ein. Die Unterhaltungsabteilung im Pentagon, die mit TV- und Filmproduzenten zusammenarbeitet, rühmt sich sogar auf Postern mit der Beratungstätigkeit des Verteidigungsministeriums für die NCIS-Serien.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.