16.03.2022 11:00 |

Experten-Interview

AK-Chefin Anderl: „Geld ist falsch verteilt!“

Arbeitslosigkeit durch die Pandemie, Pflege, Inflation: AK-Chefs Renate Anderl und Günther Goach im „Krone“-Gespräch.

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„Krone“: Frau Anderl, Sie sind seit 2018 als Präsidentin der Bundesarbeitskammer tätig. Was war in dieser Zeit die größte Herausforderung?
Anderl: Man hat das Gefühl, dass es kaum Zeit zum Durchatmen gibt. Zuerst Corona, dann das Pflegeproblem, jetzt der Ukraine-Krieg und die Teuerungen. Kaum ist eine Krise überstanden, kommt schon die nächste. Ich glaube, wir haben aber gezeigt, wie wichtig die AK für Arbeitnehmer ist – gerade in Zeiten der Pandemie. Wir haben viele Diskussionen auf politischer Ebene geführt, von Arbeitslosigkeit über Kurzarbeit bis hin zu möglichen Unterstützungen, und dabei auch viel erreicht. Die Ministerwechsel machen es aber nicht einfacher, denn mit jedem Neuen müssen wir praktisch von vorne anfangen, wie auch jetzt im Gesundheitswesen.

Die Probleme in der Pflege steuern auf einen Höhepunkt zu. Im Klinikum Klagenfurt gab es wegen patientengefährdender Arbeitsbedingungen sogar eine Anzeige. Wie kann das Ruder jetzt noch herumgerissen werden?
Anderl: Eine Pflegereform, die bessere Arbeitsbedingungen, planbare Dienste und eine faire Bezahlung beinhaltet, ist längst notwendig. Wenn man bedenkt, dass die psychische Belastung am Krankenbett so hoch ist, dass das Personal nach sechs bis sieben Jahren ausgebrannt ist, grenzt das an gesellschaftlichen Wahnsinn!

Wie können potenzielle Bewerber für den Pflegeberuf unter solchen Bedingungen überhaupt noch motiviert werden?
Goach: Bereits die Ausbildungen müssen attraktiviert und vor allem finanziell gefördert werden. Es kann nicht sein, dass ein Polizist im ersten Ausbildungsjahr rund 1700 Euro verdient und jemand, der sich der Pflege widmen möchte, sogar dafür bezahlen muss.
Anderl: Ich habe schon zu meinem Amtsbeginn gesagt, ich bin überzeugt davon, dass wir in diesem Land genug Geld haben, es ist nur falsch verteilt.

Wie kann es jetzt, gerade in Zeiten der Rekordpreise bei Sprit, Energie und allgemeiner Lebenskosten gerechter aufgeteilt werden?
Anderl: Ein Preisstopp muss erfolgen! Wohnen und Energie sind keine Luxusgüter, sondern gehören zum Leben dazu. Der Sozialstaat muss ausgebaut werden, vor allem in Anbetracht, dass das Pensionsalter auch für Frauen auf 65 Jahre angehoben wird.
Goach: Als Vergleich kann gesagt werden, dass lediglich ein Prozent der Bevölkerung 40 Prozent des Gesamtvermögens von Österreich besitzen!

Welche Herausforderungen werden in Zukunft erwartet?
Anderl: Neben den bereits angesprochenen wird der Fokus auf Bildung gelegt, denn die ist unser wirtschaftlicher Rohstoff.

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