Weltsozialarbeitstag

„Der Beruf ist erfüllend, zieht aber viel Energie“

Tirol
15.03.2022 16:00

Mit dem „Welttag der sozialen Arbeit“ sollen die sozialen Dienste international ins Rampenlicht gestellt werden. In den SOS Kinderdörfern leuchtet dieses besonders hell. Claudia Gruber, Leiterin des Krisenhauses des „Ur-Kinderdorfes“ in Imst, verrät - stellvertretend für wohl viele -, warum der Sozialberuf begeistert.

„Krone“:Frau Gruber, Sie sind rund 38 Jahre in einem Sozialberuf tätig. Hat sich dieses Berufsbild inzwischen gewandelt?
Claudia Gruber: Es hat sich tatsächlich gewandelt - sowohl im pädagogischen Betreuungssetting als auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Hierarchie, die Sozialarbeiterin stehe über dem Klienten, ist der Begegnung auf Augenhöhe gewichen. Konzepte werden gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet. Diesen Wandel beurteile ich als sehr wichtig und positiv.

Sie begleiten Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen und strahlen sichtlich Freude aus. Ihr Beruf scheint Berufung zu sein. Was ist das Erfüllende daran?
Es ist das Arbeiten mit allen Gesellschaftsschichten. Familiäre Probleme gibt’s von der Verkäuferin bis hin zum Manager. Sich notwendigerweise auf verschiedene Niveaus zu begeben, ist sehr herausfordernd und spannend. Jeder Tag ist anders, die Rückmeldungen kommen sofort. Von daheim weg zu kommen ist für Kinder ein Trauma. Wenn ich diese Geschöpfe erfolgreich begleite und ihnen einen Weg zeige, ist das sehr erfüllend.

Allerdings leidet auch Ihr Bereich an Mitarbeitermangel. Warum?
Das Begleiten von Menschen in schwierigen Lebenssituationen ist eine große Herausforderung. Warm, satt und sauber ist für uns zu wenig, wir müssen in das Schicksal der Kinder eintauchen und uns die Psyche genau anschauen. Dies erfordert enorm viel Energie. Die Entlohnung ist zu gering, die derzeitige Arbeitszeit ist zu hoch. Angemessen wäre eine Stundenanzahl von 30 bis 32 Stunden, damit auch ausreichende Erholungsphasen Platz haben. Für die Berufsentscheidung junger Menschen wäre das soziale Jahr sehr hilfreich.

Sie gehen im nächsten Jahr in den wohlverdienten Ruhestand. Was wird Ihnen am meisten abgehen?
Sicher die Interaktion mit vielen verschiedenen Menschen und eigentlich die ganze Szene, in der ich mit voller Hingebung seit fast vierzig Jahren arbeite. Und ich werde meine Mitarbeiter vermissen, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Andererseits freue ich mich auf die Selbstbestimmung über meine eigene Zeit.

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