Ukraines Präsident:

„Solchen Widerstand hatten Russen nicht erwartet“

Ausland
15.03.2022 08:22

In der Ukraine haben nach Angaben aus Kiew am Montag nur sieben der geplanten landesweit zehn Fluchtkorridore aus besonders umkämpften Städten und Dörfern funktioniert. Unterdessen glaubt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass Russland zu erkennen beginne, dass es mit dem Krieg nichts erreichen werde. „Einen solchen Widerstand hatten sie nicht erwartet“, erklärte er in der Nacht zum Dienstag.

Weiters bestätigte der ukrainische Präsident, dass die Gespräche der Unterhändler beider Länder am Dienstag fortgesetzt werden sollen. Die Delegationen hatten sich am Montag wegen einer „technischen Pause“ vertagt.

Selenskyj fordert Konsequenzen
Selenskyj will die Schuldigen für die schweren Kriegshandlungen in seinem Land ohne Nachsicht zur Verantwortung ziehen. „Wir arbeiten mit den Partnern an neuen Strafmaßnahmen gegen den russischen Staat“, so der ukrainische Präsident. „Jeder, der für den Krieg verantwortlich ist. Jeder, der für die Zerstörung der Demokratie verantwortlich ist. Jeder, der für Repressionen gegen Menschen verantwortlich ist. Jeder bekommt eine Antwort.“

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Jeder, der für den Krieg verantwortlich ist. Jeder, der für die Zerstörung der Demokratie verantwortlich ist. Jeder, der für Repressionen gegen Menschen verantwortlich ist. Jeder bekommt eine Antwort.

Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj

Das russische Militär sei definitiv verantwortlich für Kriegsverbrechen, für eine „bewusst geschaffene humanitäre Katastrophe“ in ukrainischen Städten, sagte Selenskyj weiter. Die russische Armee habe allerdings binnen 19 Kriegstagen in der Ukraine höhere Verluste erlitten als während der beiden Tschetschenien-Kriege, so der ukrainische Präsident. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

„Ich weiß, dass ihr überleben wollt“
Der ukrainische Präsident rief die russischen Soldaten auf, die Waffen niederzulegen. Aus abgehörten Telefonaten russischer Soldaten mit ihren Familien zu Hause wisse man, was viele „wirklich über diesen Krieg“ denken. „Ich weiß, dass ihr überleben wollt.“

Er sei jenen Russen dankbar, „die nicht aufhören, die Wahrheit zu sagen“, meinte Selenskyj unter Verweis auf Anti-Kriegs-Proteste in Russland. Als Beispiel nannte er eine Frau, die mit einem Protestplakat und lauten Rufen im russischen Staatsfernsehen für eine Unterbrechung der abendlichen Hauptnachrichtensendung gesorgt hatte.

4000 Menschen passierten Fluchtkorridore
Über Fluchtkorridore seien rund 4000 Menschen in sicherere Gebiete gebracht worden, sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben der Agentur Unian am Montagabend. Die meisten Zivilisten kamen aus der Region Kiew (2028). Hingegen scheiterten Evakuierungen aus Mariupol auch am 19. Kriegstag weitgehend. Lediglich 160 Autos von Zivilisten schafften den Weg aus der Stadt. Auch eine Hilfskolonne mit Medikamenten und Wasser für die belagerte Hafenstadt werde weiter blockiert, sagte Wereschtschuk.

Die ukrainischen Behörden warfen Russland zudem vor, Fahrzeuge mit flüchtenden Zivilisten aus dem Ort Hostomel bei Kiew mit Mörsern beschossen zu haben. Dabei seien eine Frau getötet und zwei Männer verletzt worden. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

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