Mo, 24. September 2018

Tod vor Klärung

28.05.2011 14:08

Chile: Exhumierte Überreste von Ex-Präsident Allende

Bei den am Montag auf dem Zentralfriedhof der chilenischen Hauptstadt Santiago exhumierten sterblichen Überresten handelt es sich tatsächlich um die Leiche von Salvador Allende, des früheren Präsidenten des südamerikanischen Landes. Das ist das erste Ergebnis der Autopsie, in deren Rahmen Gerichtsmediziner fast 40 Jahre nach Allendes Tod herausfinden sollen, ob der Präsident getötet wurde oder Selbstmord beging.

Justizkreise in Santiago bestätigten am Freitag die Identität der sterblichen Überreste. Die Zweifel waren entstanden, weil Medien nach dem Tod Allendes berichtet hatten, Anhänger hätten seine Leiche nach der geheimen Beerdigung 1973 in Vina del Mar entführt und an einen unbekannten Ort gebracht. Nach dem Ende der Militärdiktatur 1990 war in Vina del Mar eine Leiche exhumiert und nach Santiago überführt worden, eine Autopsie wurde damals aber nicht gemacht.

Im Laufe der jetzt begonnenen Autopsie, die auf drei Monate angesetzt ist, wollen Experten klären, ob Allende getötet wurde oder Selbstmord beging. Der sozialistische Staatschef war am 11. September 1973 nach dreijähriger Regierungszeit während des Militärputsches von General Augusto Pinochet gestorben, als die Luftwaffe den Präsidentenpalast angriff. Nach einer Autopsie in Santiago teilten die Behörden damals mit, der 65-Jährige habe sich selbst eine Kugel in den Kopf geschossen.

Rechtmediziner zweifelte Selbstmord an
Im Jahr 2008 hatte der Rechtsmediziner Luis Ravanal unter Berufung auf die Autopsie nach Allendes Tod geschrieben, dessen Verletzungen stimmten nicht mit der These überein, dass er sich selbst erschossen habe. Der chilenische Journalist Camilo Taufic, der ein Buch zu dem Putsch schrieb, unterstützt die These eines "unterstützten Selbstmords". Demnach soll ein Leibwächter von Allende den tödlichen Schuss abgefeuert haben, nachdem der verzweifelte Präsident sich zunächst selbst eine Schusswunde beigebracht hatte.

Nach Allendes Tod errichtete Pinochet eine Militärdiktatur, die erst im Jahr 1990 endete. In dieser Zeit wurden etwa 3.100 Menschen getötet oder sind seitdem vermisst. Pinochet starb im Jahr 2006 im Alter von 91 Jahren, ohne je verurteilt worden zu sein. Die neue Untersuchung zu den Todesumständen Allendes ist Teil einer umfassenden Überprüfung von mehr als 700 bisher nicht untersuchten mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen während der Pinochet-Diktatur 1973 bis 1990.

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