Mo, 20. August 2018

Anatomie extrem

18.05.2011 09:36

Berstende Knochen und Gemetzel in "Mortal Kombat 9"

Wer immer schon wissen wollte, was sich auf anatomischer Ebene abspielt, wenn etwa Scorpions Faust mit letaler Gewalt auf Subzeros Schädelknochen trifft, Kampfmesser-Klingen wuchtig in diverse Extremitäten gestoßen werden oder ganze Körper mit elegant-martialischen Schnitten mal längs, mal quer zerteilt werden, liegt mit der mittlerweile neunten Auflage der legendären "Mortal Kombat"-Reihe (MK9) goldrichtig. Ein blutig und schonungslos in Szene gesetztes Kampfspektakel lässt die Herzen der Genrefans höherschlagen und macht die platte Story und schaurige Synchronisation schnell vergessen.

Auf Basis der leistungsstarken Unreal-Engine schuf NatherRealm Studios ein düsteres Ambiente rund um die altbekannte Konfrontation zwischen Gut und Böse, Erden- und Unterwelt. Da allerdings der Handlungsumfang in den vergangenen Episoden bereits stark ausgereizt worden ist, blieb hier offenbar nur mehr der Weg der Überstrapazierung. Raiden, augenloser Held des Lichts, und Shao Khan, Fürst der Finsternis, liegen in den letzten Zügen ihrer alles entscheidenden Konfrontation, umgeben von gescheiterten Helden. Tot, allesamt. Und es sieht mies aus für Raiden, der Triumph des Bösen scheint besiegelt.

Wie kommt man nun aus diesem narrativen Dilemma heraus? Ganz einfach. Raiden greift sich die Splitter seines magischen Amuletts – dass es zerstört ist, schein seine Funktionsfähigkeit nicht weiter zu beeinflussen – und schickt sich damit eine Botschaft zurück durch die Zeit, in der er sich selbst vor der drohenden Niederlage warnt. Also quasi mit der Idee: "Hallo ich, so ging es leider nicht. Versuchs doch noch mal, bitte!"

Fatality- und Finishing-Moves runden Spektakel ab
Und schon findet man sich wieder auf der altbekannten Insel, die Riege der Kämpfer – unter ihnen Sonya Blade, Johnny Cage, Liu Kang, Cyrax, Sheeva, Quan Chi, Sektor uvam. - ist wieder putzmunter und bereit, sich gegenseitig gekonnt die Fresse zu polieren. Und hier spielt MK9 tatsächlich alle Stückeln: Schon der Variantenreichtum bei den Standardangriffen kann sich sehen lassen, ganz zu schweigen von der Unzahl an Kombos. Zudem wurden die Kampfstile eines jeden der 25 spielbaren Charaktere individuell gestaltet, jeder verfügt über besondere Stärken, Nah- und Fernwaffen, Zauber und Fähigkeiten. Ein buntes Programm aus Griffattacken - die übrigens nicht geblockt werden können – sowie Fatality- bzw. Finishing-Moves runden das durchwegs blutige Spektakel ab.

Die eben erwähnten Fatality-Moves machen ihrem Namen alle Ehre. Zum Einsatz kommen sie zwar erst, wenn die Energieleiste am unteren Bildschirmrand bis zum Rand gefüllt ist - dann aber mit Volldampf. In Zeitlupe brechen Knochen, werden Organe brachialchirurgisch entfernt, bahnt sich scharfes und spitzes Allerlei seinen Weg durch das Fleisch. All das wird für den Zuseher in einer praktischen Röntgenansicht aufbereitet, um ja kein Detail des Gemetzels zu übersehen. Auch bei der Wirkung ist der Name Programm: Rund ein Drittel der gegnerischen Gesundheit geht nach Vollendung flöten. Gewohnt grausam und tückisch präsentieren sich auch die Finishing-Moves, die fast einer Signatur des jeweiligen Kämpfers gleichkommen.

Etliche Spielmodi gewährleisten Langzeitmotivation
Was der Story-Modus inhaltlich nicht halten kann, macht dessen Umfang schnell wett: Mehrere Stunden an Videosequenzen fließen in den Pausen zwischen den Konfrontationen ein. Dass man diese allerdings nicht unterbrechen kann – ebenso wenig die "Ich habe gewonnen"-Sequenzen in den anderen Spielmodi – kann einem mitunter ganz schön auf die Nerven gehen.

Das Hauptmenü kann sich sehen lassen: Kampf- und VS.-Mode (hier zeigen die Treffer auch optisch ihre Wirkung, bis hin zur völligen Deformation der geschundenen Kämpfer-Körper und deren Kleidung) sowie der altbekannte "Turm der Herausforderungen" (in dem rund 300 lustig-bissige Aufgaben warten), zudem etliche Varianten von Multiplayer und Onlinebegegnungen inklusive Tag-Team-Kämpfen gewährleisten überdurchschnittliche Langzeitmotivation. Die fünfstufige Schwierigkeitsskala erlaubt zudem die Härte der Gangart an die eigenen Fertigkeiten anzupassen. Ein Tutorial vermittelt die grundlegenden Aktionsmuster, im Trainingsmodus kann man seine Skills an einem Dummie entspannt zur Entfaltung bringen.

Dezenter Retro-Stil durch 2D-Kampfebene
Wohl als Hommage an seine Vorgänger wurde auf eine dritte Dimension im Kampfgeschehen verzichtet. Das stört auch kaum. Ganz im Gegenteil: Die – im Wortsinn – hohe Schlagzahl und die liebevoll gestalteten, zahllosen Arenen machen die zusätzliche Handlungsdimension eigentlich überflüssig und verleihen dem Spiel einen dezenten Retro-Stil.

Um den Spieler für seine Siege auch ordentlich zu belohnen, gibt's für jeden Sieg und jede bewältigte Aufgabe Credits, die dann nach Herzenslust in der so genannten Krypta gegen neue Spielmodi, neue Fatality-Attacken, fesche Outfits, Konzeptzeichnungen usw. eingetauscht werden können. Was es dort leider nicht gibt, ist ein komplett neuer Soundtrack zum Spiel: Das Standard-Repertoire ist denkbar monoton und quält nach längeren Sessions das Trommelfell mit dauerhaft schnellem Bass-Bumm-Bumm.

Fazit: Wer es gerne bunt und blutig mag und keine optischen Berührungsängste mit Eingeweiden und Knochen hat, sich zudem gerne rasante Prügel-Konfrontationen einverleibt und das auf technisch ausgereiftem Niveau, kommt fast nicht um "Mortal Kombat 9" herum. Das Spiel hat seine alten Stärken über die Jahrzehnte weiterentwickelt, ohne seinen besonderen Charme dabei einzubüßen. Die enorme Anzahl an Spielmodi verspricht viele Stunden Spielspaß mit immer neuen Herausforderungen, die neuen Online-Multiplayer-Varianten machen es zudem möglich, sich mit MK9-Fans aus aller Welt zu messen. Die einzigen Kritikpunkte sind durchwegs akustischer Natur: Die deutsche Synchronisation ist ein wahrer Graus, von lippensynchron keine Spur und was die Qualität der Übersetzungen anlangt… naja. Zudem wurde der musikalische Background recht stiefmütterlich behandelt. Aber was soll's? Wenn es im Knochengebälk gehörig knackt, knirscht und bricht, lacht das Kämpferherz in jedem Fall.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: NatherRealm Studios
krone.at-Wertung: 9/10

von Fritz Schneeberger

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