„Die Liebe hat ihn dazu gebracht“, sagt die Verteidigerin und stellt fest: „Wir waren doch alle schon verliebt.“ Ihr Mandant war erst 16, als er mit einem Messer auf den verhassten Bruder seiner Freundin einstach - fünfmal und in Mordabsicht, wie die Staatsanwältin meint. Denn das Opfer wollte die Beziehung verhindern.
Der Angeklagte, jetzt 17, war ein „Problemkind“. Das gibt er selbst zu. Aus Afghanistan stammend, kam er 2015 nach Österreich. Er lebte im Linzer Stadtteil Ebelsberg und wurde kriminell: Raub und Körperverletzung brachten ihn in Haft.
„Er passte nicht zu uns“
Klar, dass eine syrische Familie wenig begeistert war, dass die Tochter (15) in den Afghanen verliebt war. „Er nahm Drogen, er passte nicht zu uns“, sagt der Bruder der Schülerin. Er nahm ihr das Handy weg, blockierte dessen Nummer, doch der Liebhaber blieb beharrlich.
Er nahm Kontakt mit dem Bruder auf und vereinbarte ein nächtliches Treffen: „Lass uns wie zwei Männer verhandeln.“ Vor einem Jahr, am Valentinstag 2021, trafen der nun Angeklagte und der Bruder der Geliebten aufeinander. Der Afghane hatte das Messer mit aufgeklappter Klinge in der Hosentasche. Begründung: „Der andere ist Kampfsportler.“
Wer zuerst angegriffen hat, ist umstritten. Das Opfer sagt beim Prozess in Wien: „Er hat sofort zugeschlagen, ich habe nicht bemerkt, dass er ein Messer hatte. Das hat sich wie Bienenstiche angefühlt.“ Der Täter spricht von Notwehr: „Er hat zuerst zugeschlagen.“ Das Urteil - acht Jahre Haft - ist noch nicht rechtskräftig.
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