24.01.2022 15:46 |

„Illegales Rennen“?

417 km/h auf Autobahn: Jetzt ermitteln Behörden

Die Rekordfahrt eines Bugattifahrers auf einer deutschen Autobahn, über die wir hier berichtet haben, hat nun ein behördliches Nachspiel: Die Polizei leitete am Montag Ermittlungen gegen den Mann wegen eines mutmaßlichen illegalen Straßenrennens ein. Die Staatsanwaltschaft werde den Fall prüfen, sagte eine Sprecherin in Magdeburg.

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Ein tschechischer Multimillionär war im Juli 2021 mit seinem 1500 PS starken Bugatti Chiron mit bis zu 417 km/h über einen zu dem Zeitpunkt wenig befahrenen Abschnitt der deutschen Autobahn A2 zwischen Berlin und Hannover gerast, erst kürzlich hat der 58-jährige ein Video davon im Internet veröffentlicht. Es dürfte sich um die höchste jemals auf einer öffentlichen Straße erzielte Geschwindigkeit handeln.

Prinzipiell gilt in Deutschland kein Tempolimit auf Autobahnen, es sei denn, es ist eigens eines eingerichtet. Was aber gilt, ist die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Wer schneller fahren möchte, darf damit niemanden gefährden. Kommt es bei höherem Tempo zu einem Unfall, muss der Fahrer grundsätzlich mit einer Teilschuld rechnen.

Das deutsche Bundesverkehrsministerium äußerte sich kritisch. Jegliches Verhalten im Straßenverkehr, das zu einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern führe oder führen könne, werde abgelehnt, teilte eine Ressortsprecherin mit.

Wer ist der Fahrer?
Der Multimillionär Radim Passer ist in Tschechien bisher vor allem als Immobilienmagnat in Erscheinung getreten. Sein Vorzeigeprojekt ist der Büro- und Geschäftskomplex BB Centrum, der zu den größten in Prag zählt. Die tschechische Ausgabe der Wirtschaftszeitung „Forbes“ schätzt Passers Vermögen auf umgerechnet rund 270 Millionen Euro.

In Tschechien fragen sich nun manche, wie Passers Fahrt mit seinen christlichen Überzeugungen zu vereinbaren ist. Nach dem Tod seines ersten Sohnes im Jahr 1998 wandte sich der Unternehmer nach eigenen Angaben Gott zu. Vier Jahre später gründete er die christliche Organisation „Maranatha“. Sie ist benannt nach einem aramäischen Gebetsruf, den die Urchristen benutzt haben sollen. Passer will sich zu der Autobahnfahrt einer Sprecherin zufolge über die Angaben in seinem Youtube-Kanal hinaus nicht äußern.

Experten-Kritik an der Fahrt
Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist eine Fahrt mit mehr als 400 km/h höchst gefährlich. „Je höher die Geschwindigkeit ist, desto länger ist der Bremsweg. Und zwar nicht nur linear, sondern exponentiell, sprich bei doppelter Geschwindigkeit wird er mehr als doppelt so lang“, sagte der emeritierte Professor der Deutschen Presse-Agentur.

„Wollen wir Multimillionären erlauben, auf öffentlichen Straßen ihre Späße zu treiben, die Menschenleben gefährden können?“, kritisierte Dudenhöffer. Das Video sollte seiner Meinung nach der Anlass sein, darüber nachzudenken, was eigentlich auf deutschen Autobahnen erlaubt sein sollte und was nicht. Der Verkehrsminister könne etwa per Gesetz nur noch Autos zulassen, die eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit nicht erreichen.

So gesehen ist die Fahrt, die in Autoenthusiasten-Kreisen auf Begeisterung stößt, möglicherweise Wasser auf die Mühlen der Befürworter eines generellen Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Wenn ein solches eingeführt wird, ist die Rechtslage jedenfalls klar: 417 km/h sind dann definitiv illegal.

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