Es ist nicht Wien!

Hier haben unsere Schüler größtes Deutschdefizit

Oberösterreich
05.02.2026 10:01
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

In Österreich hatte zuletzt jedes neunte Volksschulkind Deutschförderbedarf. Den höchsten Anteil an Kindern mit Deutschdefiziten gibt es aber nicht in Wien (20) als einziger Großstadt, sondern in mehreren Städten Oberösterreichs. Das zeigt eine Auswertung der Statistik Austria für die APA.

Am höchsten war der Anteil der Volksschulkinder, die wegen Problemen mit der Unterrichtssprache eine Deutschförderklasse oder -gruppe besuchen mussten, zuletzt mit über 25 Prozent in Wels. In Traun und Linz gab es im Schuljahr 2024/25 mit je 22 Prozent ebenfalls mehr „außerordentliche“ Schülerinnen und Schüler als in der Bundeshauptstadt, in Steyr (19) und den Landeshauptstädten Salzburg und Graz (je 18 Prozent) waren es geringfügig weniger. In den Landeshauptstädten Sankt Pölten und Innsbruck wurde zuletzt bei 16 Prozent der Volksschüler davon ausgegangen, dass sie dem Regelunterricht voraussichtlich ohne besondere Förderung nicht folgen können. In Villach und Bregenz waren es 13 Prozent. 

Das Balkendiagramm zeigt den Anteil außerordentlicher Schüler mit mangelnden Deutschkenntnissen an Volksschulen in verschiedenen österreichischen Städten für das Schuljahr 2024/25. Wels hat mit 25,4 % den höchsten Anteil, Klagenfurt mit 11,3 % den niedrigsten. Quelle: Statistik Austria.

Schon in Österreich geboren
Die Einstufung findet üblicherweise bei der Einschulung statt, die überwiegende Zahl der „Außerordentlichen“ konzentriert sich deshalb auf die ersten Volksschulklassen. Unter den Schulanfängern in der ersten Klasse bzw. Vorschule hatte in Wien zuletzt die Hälfte einen „außerordentlichen“ Status, wobei die Mehrheit schon in Österreich geboren wurde und mehrere Jahre einen Kindergarten besucht hat.

In Wels haben Schulkinder viel Förderbedarf. (Symbolbild)
In Wels haben Schulkinder viel Förderbedarf. (Symbolbild)(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com)

Im Detail große Unterschiede
Im Fünf-Jahres-Vergleich sind die Anteile an „Außerordentlichen“ in allen 19 Städten mit über 25.000 Einwohnern um einige Prozentpunkte gestiegen, das Plus von 14 auf 19 Prozent ist im dicht besiedelten Raum im Österreich-Schnitt größer ausgefallen als abseits von Ballungsräumen. In absoluten Zahlen kommt Wien unter den Städten aufgrund seiner Größe auf die mit Abstand meisten Kinder mit Deutschförderbedarf (16.600), in Linz waren es zuletzt knapp 1.900, in Salzburg 1.000 und in Wels und Innsbruck rund 700.

Kritik an Test
Aus Wissenschaft und Praxis gab es wiederholt Kritik am halbjährlichen MIKA-D-Test, über den seit Einführung der verpflichtenden separaten Deutschförderklassen 2018/19 der „außerordentliche“ Status vergeben wird. Dieser sei nicht geeignet, um herauszufinden, ob die Deutschkenntnisse der Kinder bzw. jugendlichen Quereinsteiger reichen, um dem Unterricht folgen zu können. Im Vorjahr wurde schließlich eine Ergänzungsskala für jene Fälle eingeführt, in denen Schüler laut MIKA-D den Aufstieg in die Regelklasse knapp verfehlt haben.

Neuerungen geplant
Für nächsten Herbst sind weitere Neuerungen angekündigt, um den Test treffsicherer zu machen. Geplant ist eine weiterentwickelte Version u.a. mit zusätzlichen Fragen für die 3. und 4. Klasse Volksschule und die Mittelschule, also für Kinder, die als Quereinsteiger zu einem späteren Zeitpunkt in das österreichische Schulsystem kommen.

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