24.01.2022 14:17 |

Pommers Feierabend

Da haut es den Moderator fast vom Sessel

Einen schönen Montagabend.

Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm sieht jung aus, wie man gestern in der „ZIB 2“ sehen konnte. Jugendlichkeit ist ja für die meisten Menschen ein wichtiges Thema. Gelegentlich schaue ich mir, zum Beispiel in der U-Bahn, die Gesichtshaut junger Menschen an. Nicht aus den Gründen, die Sie bei einem „Krone“-Redakteur vielleicht vermuten würden, es geht nicht um meinen Bauchnabelmoment, ich begutachte die noch gespannte Hülle dieser Personen und denke mir: Ah, so war das also. Ich befinde mich aktuell in einem Zwischenstadium; meine Haut hat noch nicht die Beschaffenheit von Pergamentpapier, sie sieht eher wie ein T-Shirt aus, das man nach dem Waschgang schlampig aufgehängt hat. Zu straff, um es zu bügeln, aber wenn man es trägt, wünschte man sich, man hätte es getan. Es wird der Tag kommen, an dem ich Solettis in meine Stirnfalten stecken kann, und sie werden nicht herunterfallen.

Wie auch immer, ich schweife ab. Jedenfalls sieht Frau Plakolm jung aus. Das ist in einem Land, in dem schon einmal ein Mann Frauenminister war, für eine Jugendstaatssekretärin keine Selbstverständlichkeit. Ein Mann als Frauenminister, das wäre heutzutage nicht mehr vorstellbar. Fast so bizarr, als würde, nehmen wir ein völlig abstraktes Beispiel, Wolfgang Sobotka einen ÖVP-U-Ausschuss leiten. Jedenfalls ist jung aussehen nicht jung sein, das haben wir gestern wieder erlebt. Claudia Plakolm ist 27 Jahre, macht aber jenen türkisen Alterungsprozess durch, der bei Jungpolitikern dieser Partei überraschend oft zu Anfällen vorzeitiger innerer Vergreisung führt - mit dem Vorteil, dass man theoretisch mit Erreichen der Volljährigkeit schon den mächtigen Seniorenbund übernehmen darf.

Frau Plakolm sind Uralt-Traditionen und Fruchtbarkeit sehr wichtig. Erwachsen sei erst, wer bis 30 ein Kind gezeugt, ein Haus gebaut und einen Baum gepflanzt hat, erzählte sie einmal. Ich habe im Büro vor Jahren Glücksklee angebaut, er ist langstielig von mir weggewachsen und dann abgestorben. Der Rest der Liste liegt brach, eine ÖVP-Karriere kann ich also vergessen. Eigentum sei die beste Maßnahme gegen Armut, sagt sie, junge Menschen sollen sich Wohnungen kaufen. Das ist vor allem in Wien ein geistreicher Tipp, wo es Mini-Lofts für 500.000 Euro gibt, die so klein sind, dass man Pferde für ihre Fähigkeit, im Stehen zu schlafen, bewundert.

Was weiß man noch über die Staatssekretärin? Plakolm posaunt ihr Hobby gerne heraus, denn sie hat sich der Blasmusik verschrieben. Sie verwendet im Fernsehen Wörter wie „zach“, angesichts solcher Interviews haut es selbst die Moderatoren fast vom Sessel, und sie setzt sich dafür ein, dass es den Maturanten genauso schlecht geht wie den Lehrlingen. Ihren 25. Geburtstag hat sie in einer Garage mit Josef Pühringer gefeiert - vielleicht hat dort ein Transformationsprozess begonnen, denn wir nur aus Körpertausch-Komödien kennen.

Aber das alles hat etwas Tröstendes: Nur weil man sich Solettis in die Stirnfalten klemmen kann, ist man noch lange nicht alt.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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