Di, 23. Oktober 2018

Bin-Laden-Tod

06.05.2011 14:35

Al-Kaida plante Zug-Terror an 9/11-Jahrestag

Mit Attentaten auf Züge wollte das Terrornetzwerk Al-Kaida den heurigen zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 "feiern". Anonyme Quellen aus US-Regierungskreisen berichteten darüber am Donnerstag in amerikanischen Zeitungen. Die Anschlagspläne fanden sich auf den beschlagnahmten Datenträgern beim CIA-Einsatz zur Tötung Bin Ladens in der Nacht auf Montag, so die Informanten. Laut ihnen wurde das Versteck des Terrorpaten schon seit Monaten observiert. Al-Kaida hat indes erstmals offiziell den Tod seines Anführers bestätigt.

Der Fernsehsender "ABC News" zitiert aus einem geheimen, vom Heimatschutzministerium verschickten Bulletin an verschiedene Sicherheitsbehörden, demzufolge das Terrornetz zumindest bis Februar 2010 an "eine Operation gegen Züge an einem nicht näher bezeichneten Ort" am zehnten Jahrestag dachte. Als eine Option habe die Al-Kaida erwogen, einen Zug durch Manipulation der Schienen auf einer Brücke zum Entgleisen zu bringen.

Nach Angaben des Senders befinden sich unter dem sichergestellten Material Grafiken und Dokumente, die darauf hinweisen, dass verschiedene Terrorkomplotte in Betracht gezogen wurden. Nach ersten Auswertungen habe aber keines davon die Planungsphase erreicht, es habe sich vielmehr um Überlegungen gehandelt, wurde das Stadium der Pläne von einem Regierungsbeamten beschrieben.

Die bisherigen Analysen der über 100 sichergestellten Datenträger (USB-Sticks, DVDs, CD-Roms, zehn Festplatten und fünf Computer) bestätigen, dass Bin Laden immer noch eine bedeutende Rolle beim Schmieden von Terrorkomplotten gespielt habe, heißt es. Weitere Funde, die jedoch nicht näher ausgeführt wurden, sollen u.a. eine "Terrror-Wunschliste" umfassen, in der Bin Laden Möglichkeiten aufgezählt habe, die USA und andere Länder effektiv zu attackieren. Anschläge auf große Ziele an großen Feiertagen habe der Al-Kaida-Anführer dabei als bevorzugte Methode ausgewählt.

Al-Kaida bestätigt Tod und schwört Rache
Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat am Freitag den Tod seines Gründers, Osama bin Laden, erstmals direkt bestätigt. Laut dem auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE, droht die Terrororganisation den USA und ihren Verbündeten mit neuen Anschlägen. Die Tötung "Scheich Osamas" werden die USA "wie ein böser Fluch" verfolgen, in ihrer Heimat und auch außerhalb der Landesgrenzen.

Die Muslime und "unsere Brüder in aller Welt" fordert das Terrornetzwerk auf, sich gegen den amerikanischen Imperialismus aufzubäumen, und gegen die USA zu "revoltieren".

Versteck monatelang observiert
Neues über die "Kill Mission" gegen Bin Laden, deren Umstände noch immer nicht ganz geklärt sind, gab es seit Donnerstag nur insofern, als dass die "Washington Post" Informationen über die Einsatzvorbereitungen erhielt. Demnach soll die CIA den Al-Kaida-Anführer seit Monaten ausspioniert haben. Ein kleines Team habe von einem konspirativen Haus in Abbottabad aus den Komplex, in dem US-Spezialeinheiten in der Nacht zum Montag den Terroristenführer töteten, observiert. Ziel sei es gewesen, sich ein Bild über die Bewohner des Hauses und deren Tagesabläufe zu machen, sagten die US-Beamten nach Angaben der "Post". Die Observation hätte alle möglichen geheimdienstlichen Aktivitäten von der Satellitenüberwachung bis zum Abhören eingeschlossen.

US-Präsident Barack Obama, der sich am Donnerstag öffentlichwirksam mit den Hinterbliebenen der 9/11-Opfer in New York traf, will sich am Freitag bei jenen Soldaten bedanken, die an dem Einsatz gegen Bin Laden teilgenommen haben. Der Präsident werde dazu Fort Campbell im Bundesstaat Kentucky besuchen, wo er mit den kürzlich aus Afghanistan zurückgekehrten Soldaten sprechen werde, verlautete am Donnerstag aus Regierungskreisen. Bereits am Donnerstag habe Obama Vizeadmiral William McRaven empfangen, der nach Informationen der "Washington Post" Leiter der Aktion zur Ergreifung Bin Ladens gewesen war. Der Präsident habe McRaven persönlich seien Dank ausgesprochen, hieß es.

US-Regierung will zu Einsatz jetzt "alle Fakten sammeln"
Nach mehrmaligem Änderungen an der offiziellen Version zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden will die US-Regierung vorerst keine weiteren Einzelheiten bekannt geben. "Wir sind noch immer dabei, alle Fakten zu dieser Operation zu sammeln", sagte Obamas Sprecher Jay Carney am Donnerstag vor Reportern auf dem Flug des Präsidenten nach New York. Das Weiße Haus habe den Ablauf des Einsatzes dargestellt und werde keine weiteren Angaben machen. Eine Gruppe "außergewöhnlicher" US-Soldaten sei in der Nacht in ein fremdes Land geflogen, habe "einwandfrei" die Mission ausgeführt und ein Ziel erreicht, nach dem die USA seit zehn Jahren gestrebt hätten, sagte Carney. Das sei der "übergeordnete Punkt".

Seit ein Team der Elitetruppe Navy Seals in der Nacht zum Montag Bin Ladens Unterschlupf im Norden Pakistans stürmte, rückte das Weiße Haus mehrfach von seiner offiziellen Darstellung der Kommandoaktion ab. Hatte es zunächst geheißen, Bin Laden habe auf die Soldaten geschossen, erklärte die Regierung später, der Al-Kaida-Chef sei unbewaffnet gewesen. Auch habe er seine Ehefrau nicht als menschlichen Schutzschild missbraucht, vielmehr habe sie sich auf die Soldaten gestürzt. Dabei sei sie angeschossen, aber nicht getötet worden, wie es ursprünglich hieß. Unklar bleibt auch der Tod eines erwachsenen Sohnes Bin Ladens, der nicht in allen Versionen bestätigt wird, sowie die genaue Anzahl an Bewaffneten in dem Haus. Der letzten Version der US-Medien unter Berufung auf anonyme Regierungsquellen zufolge soll dem Seals-Kommando überhaupt nur ein Bewaffneter gegenübergestanden sein.

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