Sa, 18. August 2018

'Inflation kein Thema'

27.04.2011 22:35

Fed lässt Zinssatz unten - Euro auf 16-Monats-Hoch

Die US-Notenbank Fed bleibt ungeachtet der Zinswende in Europa geldpolitisch auf dem Gaspedal. Angesichts eines schwächeren Wachstums in den USA und der weiterhin schwierigen Lage am Arbeitsmarkt signalisierten die Notenbanker um Ben Bernanke am Mittwoch keinen raschen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Der Euro stieg am Mittwoch auf ein 16-Monats-Hoch.

Die Inflation habe zwar wegen der teureren Energie und der höheren Rohstoffpreise angezogen, das sei aber temporär, sagte Bernanke in der ersten Pressekonferenz in der 97-jährigen Geschichte der Fed nach dem Zinsbeschluss. Die Rückführung des US-Haushaltsdefizits habe Top-Priorität, sagte Bernanke. Der Dollar gab nach der Pressekonferenz nach, die US-Börsen verabschiedeten sich mit weiteren Gewinnen aus dem Handel.

Den Leitzins beließen die Währungshüter wie erwartet weiter extrem niedrig in der Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent. Das Staatsanleihen-Ankaufprogramm läuft bis Ende Juni weiter. Auch nach dem Ende des 600-Milliarden-Dollar schweren Programms werde die Bilanz der Fed nicht rapide zusammenschmelzen, sagte Bernanke. Damit dürfte die Fed weiterhin die Einnahmen aus auslaufenden Papieren nutzen, um sich am Markt wieder einzudecken. Ein Ausverkauf am Anleihemarkt, wie ihn einige Investoren befürchtet hatten, steht daher wohl nicht bevor.

Experten erwarten keine schnelle Zinswende
Die Frage ist aber nun, wann die Fed die Geldpolitik wieder strafft. Bernanke hielt sich zu Details bedeckt, sagte aber, es könnte ein erster Schritt sein, die auslaufenden Anleihen nicht mehr zu ersetzen. Experten gehen nicht von einer schnellen Zinswende aus: Die erste Zinserhöhung stehe wohl erst 2012 an, sagte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. "Irgendwann im späten Sommer oder im Herbst dürfte die Fed die geldpolitische Wende signalisieren."

Bernanke äußerte sich nicht dazu, wie lange der Zins noch nahe Null bleiben soll. Die Sprachregelung einer "erweiterten Periode" ("extended period") deute darauf hin, dass vor einer Zinserhöhung noch einige Treffen des Offenmarktausschusses kämen, sagte er. Es hänge aber davon ab, ob die Inflation und die Inflationserwartungen im Griff blieben und wie hoch die Unterauslastung der Wirtschaft sei. "Wir haben die Werkzeuge für einen Ausstieg", sagte er.

Wachstumsprognose nach unten korrigiert
Wie der Chef der Federal Reserve nach einer Zinssitzung des Offenmarktausschusses mitteilte, geht die Fed nunmehr für 2011 von einem Wirtschaftswachstum zwischen 3,1 und 3,3 Prozent aus. Im Jänner war für die US-Wirtschaft ein Wachstum von 3,4 bis 3,9 Prozent vorausgesagt worden.

Für das schwächere Wachstum sei die schwache Kreditvergabe sowie die anhaltende Schwäche am Häusermarkt verantwortlich. Hinzu kämen eine relativ hohe Arbeitslosigkeit, hohe Benzinpreise und viele Zwangsvollstreckungen. Dies sei eine "fürchterliche Kombination", sagte Bernanke. Die wirtschaftliche Erholung dürfte daher zunächst moderat bleiben, sich jedoch mittelfristig wieder beschleunigen. Im ersten Quartal dieses Jahres rechnet der Fed-Chef mit einem Zuwachs von etwas weniger als 2 Prozent. Die Quartalszahl wird an diesem Donnerstag veröffentlicht.

"Wirtschaftskraft muss gestärkt werden"
Angesichts des schwachen Dollar sagte Bernanke, ein starker und stabiler US-Dollar sei im Interesse der USA und der Weltwirtschaft. Der Dollar profitiere davon, wenn die US-Notenbank ihren Auftrag erfülle und für Preisstabilität und hohe Beschäftigung sorge. Man müsse für mittelfristig starke Fundamentaldaten sorgen. Eine niedrige Inflation erhalte die Kaufkraft des Dollar. Zudem müsse die Wirtschaftskraft gestärkt werden.

Die erste Pressekonferenz des Fed-Chefs wurde weltweit viel beachtet. Bernanke will nun künftig viermal im Jahr zur Geldpolitik Rede und Antwort stehen und damit für mehr Transparenz sorgen.

Inflation von bis zu 2,8 Prozent erwartet
Ihre Inflationserwartung für 2011 korrigierte die Fed in der Sitzung zwar nach oben, von 1,3 auf 1,7 Prozent im Januar auf nunmehr 2,1 bis 2,8 Prozent. Die Kerninflationsrate - ohne die schwankungsanfälligen Energiepreise - beziffert die Fed auf 1,3 bis 1,6 Prozent, ebenfalls leicht höher als im Januar geschätzt (1,0 bis 1,3 Prozent). Bernanke machte jedoch klar, dass er langfristig die Inflation unter Kontrolle sieht.

Auf dem Arbeitsmarkt sieht der Fed-Chef eine bessere Entwicklung als noch im Januar geschätzt. Demnach rechnet die Notenbank jetzt damit, dass die Arbeitslosenrate 2011 zwischen 8,4 und 8,7 Prozent liegen wird. 2013 könnte sie erstmals unter die 7-Prozent-Marke sinken. Zuvor war für dieses Jahr von einer Spanne zwischen 8,8 bis 9,0 Prozent ausgegangen worden. Die Quote liegt derzeit bei 8,8 Prozent.

Bernanke sagte zudem, die Neubewertung der Lage in den USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's sollte die Politik zu Entscheidungen treiben. Die Rückführung des US-Haushaltsdefizits habe Top-Priorität.

Zweifel an Kreditwürdigkeit der USA
In der vergangenen Woche hatten Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA weltweit für Wirbel gesorgt. An den Märkten wuchs die Sorge, dass sich die Schuldenkrise in den Vereinigten Staaten zuspitzt. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Kreditwürdigkeit der USA infrage gestellt. Sie werde deren Bonität zwar weiter mit der Bestnote "AAA" bewerten. Allerdings senke sie den Ausblick für die langfristige Beurteilung von "stabil" auf "negativ". Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung.

Ein schlechteres Rating kann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen. Dies könnte nach Expertenmeinung das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

Euro auf 16-Monats-Hoch
Der Kurs des Euro stieg am Mittwoch erstmals seit 16 Monaten über die Marke von 1,47 US-Dollar. In der Eurozone deutet alles auf weitere Zinserhöhungen hin, was den Euro wegen der steigenden Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und den USA für Anleger attraktiver macht. "Derzeit spricht einfach nichts für den US-Dollar", sagte ein Währungsstratege. "Nur eine Umkehr bei der Fed könnte dem Dollar in diesen Zeiten wieder auf die Beine helfen."

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