So, 19. August 2018

Ohne Controller

22.04.2011 10:05

Tanzen wie Jacko: "The Experience" jetzt für Kinect

"Winken, winken, Stopp! Klatsch, pampam – und dann macht du Monster-Posen, richtig gruselige." Mit diesen vermeintlich leicht verständlichen Worten versucht der Tanzcoach in Ubisofts "Michael Jackson: The Experience" die Choreographie zu Jackos Kult-Hit "Thriller" zu erklären. Erfolg hat er damit nicht, Spaß machen die Körperverrenkungen aber trotzdem.

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass Ubisoft sein Tanzspiel rund um den verstorbenen "King of Pop" für Nintendos Wii (siehe Infobox) veröffentlicht hat. Jetzt liegen auch die Versionen für Sonys PlayStation Move und Microsofts Bewegungssteuerung Kinect vor. Im Gegensatz zur PS3-Variante hat die Xbox-Version einen entscheidenden Vorteil: Sie kommt zur Gänze ohne Controller aus.

Leichter wird das Ganze dadurch aber auch nicht. Dies liegt zum einen an der hohen Komplexität von Jacksons Tanzchoreographien, zum anderen an den leider etwas dürftigen Erklärungen im Spiel. Im Gegensatz zum Kinect-Launchtitel "Just Dance" wurde bei "Michael Jackson: The Experience" nämlich darauf verzichtet, Schritte, Posen und Figuren im Detail zu erklären.

So bleibt einem sowohl beim Training als auch bei der anschließenden Performance nichts anderes übrig, als ein sehr genaues Auge auf die virtuellen Backgroundtänzer zu werfen und - entsprechend zeitverzögert - zu versuchen, deren Bewegungen nachzuahmen, zumal die Piktogramme, auf denen die nächsten Moves angezeigt werden, sehr klein ausgefallen sind.

"Klick, klick, Brust" und andere Erklärungsversuche
Auch die Video-Workshops in der "MJ Academy" leisten nur bedingt Abhilfe. Professionelle Tänzer und Tänzerinnen, die Jacko auf seiner finalen "This is it"-Tournee hätten begleiten sollen, demonstrieren hier die wichtigsten Schrittfolgen, inklusive der eingangs erwähnten Beschreibungen ("Winke, winke, Stopp!"), die wohl dazu beitragen sollen, das Gezeigte besser zu verinnerlichen. Einen Haken gibt es allerdings: Die Videos lassen sich nicht pausieren, was es für ungeübte Laien sehr schwer bis unmöglich macht, mitzukommen und Schritt zu halten.

Aber wer wird denn bitteschön auch so naiv gewesen sein, zu glauben, mittels Videospiel zu einem zweiten Michael Jackson heranreifen zu können? Auch "Guitar Hero" hat schließlich noch keinen echten Gitarren-Virtuosen hervorgebracht. Was "Michael Jackson: The Experience" aber leistet, ist zum einen Spaß an der Bewegung zu vermitteln, zum anderen Respekt vor der tänzerischen Leistung des "King of Pop" zu lehren.

Großartige Songauswahl
Und natürlich sind da noch all die vielen großartigen Songs – von "Bad", "Beat it" und "Billie Jean" über "Smooth Criminal" bis hin zu "Thriller" -, die je nach Schwierigkeitsgrad nachgetanzt und/oder auch nachgesungen werden können. Über das in die Kinect-Kamera integrierte Mikrofon wird hierbei die Stimme des Spielers in gewohnter Karaoke-Manier mit dem Original verglichen und bewertet. Im Koop-Partymodus können sogar bis zu vier Spieler abwechselnd um die Wette tanzen und singen. Leider haben aber nicht alle Songs eine zusätzliche Gesangsspur spendiert bekommen. Schade.

Akustisch ohnehin schon top, kann sich "Michael Jackson: The Experience" auf der Xbox auch in optischer Hinsicht sehen lassen. Neben den stimmig animierten Hintergründen sorgt vor allem der Umstand für Unterhaltung, dass das reale Kamerabild des Spielers eins zu eins in die Spielwelt übertragen wird. Wer über Hut, Glitzerhandschuhe, weiße Sportsocken und schwarze Lackschuhe verfügt, kann diese demnach auch auf dem Bildschirm zu voller Geltung bringen.

Fazit: Die Chancen, nach dem Spielen von "Michael Jackson: The Experience" ebenso leichtfüßig wie Jacko "moonwalkend" über die Bühne zu schweben, sind gering. Denn leider haben es die Macher verabsäumt, dem Spieler die einzelnen Schritte einfach und verständlich näher zu bringen. Es bedarf daher schon eines hohen Maßes an Eigeninitiative, um die Choreographien auch nur halbwegs zu begreifen und in die Tat umzusetzen. Wer aber ohnehin nur beabsichtigt, alleine oder gemeinsam mit Freunden ein paar vergnügliche Stunden vor der Konsole zu verbringen und dabei auch noch die guten alten Jacko-Hits zu genießen, wird sich von diesem Manko nicht stören lassen und bei "Michael Jackson: The Experience" auf seine Kosten kommen.

Plattform: Xbox 360 (getestet, erfordert Kinect), PS3 (erfordert Move), Wii
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10

von Sebastian Räuchle

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