10.12.2021 14:07 |

Auch Defizite entdeckt

Studie: Österreich hat Krise bisher gut gemeistert

Im internationalen Vergleich, welche Länder die Corona-Pandemie am besten gemeistert haben, schneidet Österreich nicht so schlecht ab. Allerdings kamen auch einige Defizite zum Vorschein, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung enthüllt. Das Krisenmanagement von 29 Industrieländern wurde darin von 70 Experten unter die Lupe genommen, darunter 18 Staaten der EU. Bei der Organisation des Krisenmanagements liegt Österreich hinter Finnland auf Platz elf.

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Untersucht wurden in der 172 Seiten starken Studie insgesamt vier Kategorien. Bei der Resilienz der Wirtschaft liegt Österreich mit 6,05 aus Zehn möglichen Punkten knapp unter dem Durchschnitt, bei der Krisenfestigkeit des Sozialstaats auf Platz 13 über dem Durchschnitt. Die Widerstandsfähigkeit der Demokratie wird in Österreich gut bewertet, hier liegt das Land auf Platz zwölf und damit vor Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark.

Schweden, Neuseeland und Deutschland schneiden in der Studie insgesamt am besten ab, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit. Griechenland sei Überraschungsaufsteiger. Die schlechtesten Noten erhalten demnach Polen, Ungarn und Mexiko. „Eine robuste Demokratie und ein gut organisierter Staat kristallisieren sich zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren bei der Bewältigung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen heraus“, sagte Studienautor Christof Schiller. Die Länder profitierten von einer vorausschauenden und teilhabeorientierten politischen Steuerung. Staaten, in denen demokratische Werte wie die Medienfreiheit, Bürgerrechte und die Unabhängigkeit der Justiz schon vor der Krise gefährdet waren, verzeichneten dagegen weitere besorgniserregende Rückschritte. Diese Staaten offenbarten auch mit Blick auf ihre Krisenreaktion die größten Defizite.

Nur Südkorea war auf Pandemie-Ernstfall vorbereitet
Auch der Organisation des Krisenmanagements selbst komme eine besondere Bedeutung zu, hieß es weiter. Einzig Südkoreas Krisenmanagementarchitektur sei gut auf den Pandemie-Ernstfall vorbereitet gewesen. Dem Land sei die Erfahrungen aus der MERS-Pandemie zugutegekommen. Schnell aufgeholt habe Neuseeland, das dank seines „go hard and go early“-Politikansatzes und seines vierstufigen Covid-Alarmsystems das Ranking anführt. Recht gut geschlagen habe sich auch Griechenland.

Gehakt habe es „zumeist wegen eines Kompetenz-Gerangels“ - nicht nur bei föderalen Staaten wie Deutschland oder Österreich, die mit Rang 5 und 11 noch vergleichsweise gut abschneiden. Als besonders schlecht wird die Aufstellung des Krisenmanagements in Mexiko, Ungarn und Polen bewertet, knapp davor landen Israel und die USA. „Wer Krisenvorsorge, Krisenreaktion und Rechenschaftslegung gut organisiert, kommt besser durch die Pandemie. Die Krisenarchitektur muss regelmäßig angepasst werden, um besser auf kommende Krisen vorbereitet zu sein“, sagte Schiller.

Versagen bei Vorbereitung auf zweite Welle
„Im Vergleich zu anderen Ländern, insbesondere zu anderen EU-Mitgliedsstaaten, hat Österreich während der Coronavirus-Krise nicht schlecht abgeschnitten“, heißt es im Österreich-Teil der Studie. In Bezug auf medizinische Indikatoren wie Infektions- und Todesraten sowie wirtschaftliche Indikatoren wie etwa die Arbeitslosigkeit liege Österreich im EU-Durchschnitt. Allerdings wurde ein Versäumnis der Regierung geortet, sich auf die zweite Infektionswelle im Herbst 2020 vorzubereiten. Die Pandemie habe auch die föderale Aufteilung der Zuständigkeiten als strukturelle Schwäche der Regierungsführung offenbart. Obwohl es sich um ein vergleichsweise kleines Land handle, seien die epidemiologischen Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern aufgeteilt, hieß es.

Das meiste Geld floss in wirtschaftliche Maßnahmen
Zu den Problemen bei der Bewältigung der Covid-19-Pandemie in Österreich zählten die Studienautoren die Beschaffung von Testkits zum Zeitpunkt des Ausbruchs, unzureichende Laborkapazitäten für die DNA-Sequenzierung, einen Rückstand bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens, einen mangelnden Datenaustausch innerhalb der Forschungsgemeinschaft sowie Probleme bei der Rückverfolgung von Kontakten und Quarantäne. Das Geld sei vor allem für wirtschaftliche Maßnahmen wie Kurzarbeit und Unternehmenshilfen ausgegeben worden. Österreichs wichtige Tourismusbranche sei von der Pandemie besonders hart getroffen worden. „Die Reaktion der Regierung auf die Krise war eher reaktiv (auf die unmittelbaren Entwicklungen) als proaktiv und vorausschauend.“

Das österreichische Gesundheitssystem liege während der Coronavirus-Pandemie im Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten. Bis Mitte März 2021 sei auch die kumulative Infektionsrate bei 5448 pro 100.000 (Rang: 16) und die Übersterblichkeit im Jahr 2020 bei durchschnittlich 10,62 Prozent (Rang: 15) gewesen.

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