Di, 14. August 2018

Drama in Holland

09.04.2011 23:32

Amoklauf mit Maschinenpistole fordert sieben Tote

Ein Amokläufer hat in einem holländischen Einkaufszentrum mit einer Maschinenpistole um sich gefeuert und dabei sieben Menschen getötet. Dann richtete sich der als "groß, blond und blauäugig" beschriebene Mann mit einem Kopfschuss selbst, berichteten geschockte Augenzeugen in der Gemeinde Alphen aan den Rijn. Mehr als 15 Menschen seien teils schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Mehrere der Verwundeten schweben in Lebensgefahr, berichtete Bürgermeister Bas Eenhoorn Samstagabend. Unter den Opfern seien auch Kinder. Der Täter habe "äußerlich völlig ruhig" gegen Mittag das Einkaufszentrum De Ridderhof in der rund 40 Kilometer südlich von Amsterdam liegenden Gemeinde betreten.

"Wir rannten um unser Leben"
"Plötzlich schoss er jedoch um sich, wir rannten um unser Leben", schilderte eine Frau. "Man hörte immer nur tack, tack, tack, schrecklich. Es brach eine Riesenpanik aus, die Leute stürzten übereinander." Der Mann soll mehr als 10 Minuten gefeuert haben - bis das Magazin leer war. Nach unbestätigten Berichten trug er einen Tarnanzug. Nach dem Amoklauf wurden vorsichtshalber alle Einkaufszentren in der Umgebung evakuiert.

Die Identität des Täters sei rasch ermittelt worden, sagte die zuständige Staatsanwältin Kitty Nooy. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wolle man zunächst nicht mehr sagen, als dass es sich um einen einheimischen Niederländer handele.

Abschiedsbrief hinterlassen
Die Polizei rätselt weiter über die Motive des Täters. Der 24-Jährige habe bei seiner Mutter einen Abschiedsbrief hinterlassen, darin aber nichts über seine Beweggründe mitgeteilt, sagte Nooy. Der Täter war Mitglied eines Schützenvereins. Laut Staatsanwaltschaft waren ihm in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Waffenscheine ausgestellt worden. Er sei zuletzt im Besitz von drei Waffen gewesen.

Der Amokschütze, dessen Namen die Behörden mit Tristan van der Vlis angaben, war der Polizei bereits vor Jahren aufgefallen. Er sei 2003 als Jugendlicher wegen eines Verstoßes gegen das Waffen- und Munitionsgesetz aktenkundig geworden, räumte die Staatsanwältin ein.

Staatsanwältin Nooy erklärte weiter, im Auto des Amokschützen sei ein Brief mit Hinweisen zu angeblich in diesen Einkaufszentren deponierten Bomben gefunden worden. Die Polizei ließ drei weitere Einkaufszentren sowie die umliegenden Wohnungen in der rund 40 Kilometer südlich von Amsterdam gelegenen Region evakuieren. Bei Durchsuchungen der Einkaufszentren wurde jedoch kein Sprengstoff entdeckt. Die Anrainer konnten in der Nacht in ihre Häuser zurückkehren.

Bürgermeister: "Ein schwerer Schock"
Erst vor knapp einem Monat hatte es in der bis dahin als völlig friedlich geltenden Gemeinde eine Schießerei mit zwei Toten gegeben, berichtete Eenhoorn. Es sei aber klar, dass "absolut kein Zusammenhang" mit dem Amoklauf bestehe.

Für Zeugen der Bluttat und Angehörige der Opfer wurde in einer Kirche direkt neben dem Ridderhof ein Betreuungszentrum eingerichtet. Dort fanden sich mehr als 150 Menschen ein, die sich auch gegenseitig Trost zusprachen. "Unser Mitgefühl gilt allen Verletzten und den Angehörigen der Opfer dieses unbegreiflichen Geschehens an einem Tag, der so herrlich sonnig begann", sagte der Bürgermeister. "Dies ist ein schwerer Schock für uns alle."

Königin Beatrix "sprachlos"
Auch Königin Beatrix bekundete den Angehörigen der Opfer ihr Beileid. Das Drama habe ihr großen Kummer bereitet, erklärte die 73-jährige Monarchin nur wenige Stunden nach der Bluttat. Die Königin sei "sprachlos angesichts des enormen Leids, das so vielen Menschen zugefügt wurde", erklärte ein Hofsprecher.

Beatrix hatte erst vor zwei Jahren mit angesehen, wie ein Attentäter versuchte, mit seinem Auto ihren Bus zu rammen. Der 38-Jährige hatte dabei am 30. April 2009 fast 20 Menschen zu Boden gerissen, von denen sieben starben. Auch er selbst erlitt tödliche Verletzungen.

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