11.11.2021 10:56 |

Laut EU-Dokument

Grenzchaos: Schlepper kommen meist aus Deutschland

Die Mehrzahl der festgenommenen Schlepper, die Migranten aus Weißrussland bei der Flucht in die Europäische Union unterstützen, lebt angeblich in Deutschland, wie aus einem internen vertraulichen Dokument der EU-Kommission mit dem Titel „Situationsbericht: Migrations- und Flüchtlingslage“ hervorgeht. Unter den festgenommenen Menschenschmugglern sollen aber auch Weißrussen sein.

„Die meisten der berichteten Fälle“ beträfen demnach die Festnahme von Fahrern, „die es irregulären Migranten (meistens aus Syrien, aber auch aus Afghanistan, dem Iran, dem Irak, Kuwait und dem Jemen) ermöglichen, in gemieteten Pkw durch Polen nach Deutschland zu gelangen“. In den meisten Fällen handle es sich um aus Drittstaaten wie Iran, Irak, Syrien oder Türkei stammende Fahrer, „die in Deutschland wohnen“, berichtet die „Welt“ unter Berufung auf das EU-Dokument.

Unter den festgenommenen Menschenschmugglern seien aber auch Weißrussen gewesen, die im Besitz eines polnischen Schengen-Visums waren, und in den Niederlanden lebende Syrer. Laut Bericht der EU-Kommission gelten Deutschland und Finnland als Hauptziele der Migranten, die sich derzeit an der polnischen EU-Außengrenze befinden.

Hunderte kommen mit dem Flugzeug
Dem EU-Dokument zufolge transportiere die weißrussische Fluggesellschaft Belavia in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines auf vier bis sieben Flügen pro Woche Migranten von Istanbul nach Minsk, berichtet die „Welt“ weiter. Dabei fänden jeweils 180 Passagiere Platz. Auch die Zahlen irakischer und syrischer Bürger, die über Dubai nach Minsk fliegen, steige an.

Die Fly Dubai Airline fliegt demnach täglich von Dubai nach Minsk. Auch eine syrische private Fluglinie sei laut dem Dokument beteiligt: „Cham Wing Airlines, eine syrische private Fluglinie, führt weiterhin offenbar Charterflüge von Damaskus nach Minsk durch“, zitiert die „Welt“ aus dem Dokument.

Demnach werde möglicherweise auch bald ein russischer Flughafen wichtig für die Schlepper. Der Flughafen von Pskow könne in der Lage sein, Flüge aus Weißrussland, der Türkei und Ägypten abzufertigen. Von dort aus könnten die Migranten dann versuchen, ins Baltikum - und damit auf europäischen Boden - zu gelangen.

Chaotische Lage an der Grenze zu Polen
Die Lage an der polnisch-weißrussischen Grenze hat sich seit Wochenbeginn dramatisch verschlechtert, als Tausende Migranten sich von weißrussischer Seite aus auf den Weg in Richtung EU machten. Bereits mehrfach versuchten größere Gruppen vergeblich, die Zaunanlage zu durchbrechen, mit der Polen sie von einem Grenzübertritt abhalten will. Die EU hat neue Sanktionen in die Wege geleitet, die Anfang nächster Woche formell beschlossen werden könnten.

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