Di, 14. August 2018

Vor Lampedusa

06.04.2011 13:46

Flüchtlingsboot gekentert - 150 Tote befürchtet

Ein Boot mit rund 200 Migranten an Bord ist in der Nacht auf Mittwoch 39 Seemeilen vor der italienischen Insel Lampedusa in Seenot geraten und gekentert. 20 Leichen wurden von einem Hubschrauber der Küstenwache im Meer gesichtet, zumindest 130 Personen gelten noch als vermisst. Bisher konnten 47 Menschen gerettet werden.

Das 13 Meter lange Boot war nach Angaben italienischer Medien von der Hafenstadt Zuwarah im Nordwesten Libyens abgefahren. An Bord befanden sich über 200 Personen, die meisten aus den afrikanischen Ländern Eritrea und Somalia. Die unterkühlten und schwer geschockten Überlebenden wurden nach Lampedusa gebracht und dort behandelt. Zu ihnen zählt auch eine hochschwangere Frau. Motorschiffe und Flugzeuge der italienischen Küstenwache setzten die Suche nach Überlebenden fort. "Wir haben noch Hoffnungen, einige Schiffsbrüchige lebend zu finden", sagte ein Sprecher.

Laut der Internationalen Organisation für Migrationen haben Überlebende berichtet, dass sich sogar 350 Flüchtlinge an Bord des völlig überladenen Schiffes befanden. "Dies bedeutet, dass die Zahl der Vermissten noch wesentlich höher ist", betonte ein Sprecher der Organisation. Viele Flüchtlinge seien ertrunken, weil sie nicht schwimmen konnten und Hilfe zu spät kam. Eine offizielle Bestätigung dieser Angaben lag zunächst nicht vor.

Seit dem Sturz von Tunesiens Machthaber Zine el-Abedine Ben Ali im Jänner sind mehr als 22.000 Migranten mit Fischerbooten auf der 5.000-Einwohner-Insel Lampedusa angekommen. Allein in der Nacht auf Mittwoch trafen 354 Migranten ein, die mehrheitlich aus Tunesien, Eritrea, Ghana und Somalia stammen. Derzeit befinden sich rund 2.000 Migranten auf Lampedusa, das rund 130 Kilometer von Tunesiens Küste entfernt liegt.

Rom und Tunis unterzeichneten Abkommen
Indes hat Italien mit Tunesien ein Abkommen zur Rückführung der tunesischen Flüchtlinge geschlossen. Damit soll die Flüchtlingswelle nach Lampedusa gestoppt werden. Verhandelt wurde über einen Pakt, mit dem sich Tunesien zur Rücknahme von mindestens 1.400 Migranten verpflichtet, die sich in Italien befinden. Außerdem wurde über gemeinsame Patrouillenaktionen an der tunesischen Küste beraten, die mit der logistischen Unterstützung der italienischen Küstenwache erfolgen sollen. Rom bot auch finanzielle Hilfe an, damit Tunesien seine Küsten wirksam kontrollieren könne.

Zugleich überprüft die Regierung Berlusconi Lösungen für die rund 22.000 Tunesier, die in den letzten Wochen in Italien eingetroffen sind. Diplomatisches Personal aus Tunesien soll in Italien mit den Auffanglagern zusammenarbeiten. Eine Zwangsrückführung schloss Innenminister Roberto Maroni aus. Stattdessen will die italienische Regierung den Migranten eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung gewähren. Damit sollen Tunesier, die sich Angehörigen in anderen EU-Ländern anschließen wollen, im Rahmen des Schengen-Raums weiterreisen können.

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