ACH, ÜBRIGENS...

Springende Waffenräder

Vorarlberg
07.11.2021 16:55

„Krone Vorarlberg“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich für die neueste Ausgabe von „Ach, übrigens...“ an die goldenen Zeiten von Olympia erinnert und beschäftigte sich mit Annika Schleu und ihrem bockigen Wallach. Oder war es doch ein Hengst? 

Goldene Zeiten waren das, als bei Olympia von 1912 bis 1948 noch Medaillen in den Sparten Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei vergeben wurden. Interessanterweise waren - Amateurstatus hin oder her - Künstler*innen auch dann teilnahmeberechtigt, wenn sie mit der Kunst ihren Lebensunterhalt bestritten, was für eher kleine Teilnehmerfelder spricht. Die erste Literaturgoldmedaille holte 1912 mit dem Epos „Ode au Sport“ ein gewisser Pierre de Frédy, Baron de Coubertin, seines Zeichens Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit und Erfinder des Modernen Fünfkampfs, der, so der Baron, einer militärischen Legende folgt: „Einem Meldereiter wird im Gelände sein Pferd getötet, er verteidigt sich zunächst mit dem Degen, bahnt sich dann den weiteren Weg mit der Pistole, muss durch einen Fluss schwimmen und legt die letzte Strecke bis zum Ziel querfeldein laufend zurück.“

Nun könnte man sich fragen, wieso die Jugend der Welt bei ihren Klassentreffen unbedingt eine militärische Legende nachspielen muss, bei der gleich zu Beginn ein Pferd ums Leben kommt, aber die abseits von Olympia sonst kaum sichtbare Sportart ist neulich in Tokio sowieso ins Gerede gekommen, als die deutsche Pentathletin Annika Schleu mit dem ihr zugelosten Pferd nicht zurechtkam und „nur mit Müh und Not und unter erheblichem Peitschen- und Sporeneinsatz“, wie die „Pferderevue“ schreibt, „ihren Wallach in Bewegung setzen“ konnte. Der „Standard“ ist da drastischer und meint: „Schleu peitschte ihren Hengst mit der Gerte, sie rammte ihm die Sporen in die Rippen.“ Wallach oder Hengst - eine objektive Wertung sei erfahrenen Hippolog*innen überlassen.

Jedenfalls will man nach diesem Vorfall die Sportart neu definieren und die Pferde ab 2028 durch Fahrräder (sagt zumindest das Gerücht) ersetzen, weil die nicht so bockig sind. Das birgt, denkt man an die militärische Legende, eine riesige Chance für einen österreichischen Hersteller, denn letztlich kommt als Pferdeersatz kein anderes Veloziped in Frage, als das früher in der Österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft in Steyr hergestellte „Waffenrad“, auch wenn dieses nur die Lizenzversion eines in England hergestellten Zweirads und vorwiegend für den zivilen Gebrauch vorgesehen war. Darauf, mit welchen technischen Finessen die Pentathlon-Elite 2028 in Los Angeles all die Oxer, Trippelbarren, Steilsprünge und Mauern bewältigen wird, ohne mit den Sporen in die Kette zu geraten, darf man sich heute schon freuen. Und Mohrrüben werden auch gespart.

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