Di, 25. September 2018

Wenig Lehren gezogen

01.04.2011 10:23

Missbrauchsfälle: Aufarbeitung droht zu stocken

Eine Lawine ist ausgelöst worden, als im Vorjahr erste Missbrauchsfälle in Heimen der Kirche, des Landes und der Stadt Innsbruck bekannt wurden. Hunderte Betroffene haben sich gemeldet, Entschädigungszahlungen wurden beschlossen. Für Historiker Horst Schreiber droht die Aufarbeitung jetzt allerdings zu stocken.

Schreiber war der Erste, der darauf aufmerksam machte, dass nicht nur in Heimen der katholischen Kirche Kinder Misshandlungen ausgesetzt waren. Jahrzehnte schwiegen die Opfer, im Vorjahr brachen die Wunden auf.

800.000 Euro für Entschädigung
Das Land hat 800.000 Euro für Entschädigungszahlungen bereitgestellt. Bei der Kirche wurden erst wenige Opfer finanziell entschädigt. Die Stadt Innsbruck hat eine eigene Kommission eingesetzt. Schreiber gehört dieser an: "55 Menschen haben sich gemeldet. Wir werden den Bericht im Mai vorlegen. Die Stadt hat zugesichert, die Entschädigungen ausreichend zu dotieren."

Dass die Opfer im Gewirr der Zuständigkeiten zerrieben wurden, ist eine zentrale Kritik des Historikers: "Für das Bundeskonvikt in Lienz fühlt sich gar keiner zuständig." Zudem stünde die vom Land versprochene historische Aufarbeitung des Themas aus. Die umfassendste Publikation hat Schreiber vorgelegt. Sein Buch "Im Namen der Ordnung" beleuchtet die Heimerziehung in Tirol. Der Autor lässt viele Betroffene zur Wort kommen, die von unglaublicher Grausamkeit berichten.

Diskussion in Schwaz
Horst Schreiber stellt sein Buch am 14. April in der Hans-Sachs-Volksschule in Schwaz vor (19 Uhr). Danach gibt es eine Diskussion zum Thema, die im Rahmen des Projekts "schranken-los" und mit Unterstützung des Vereins "Selbstbestimmt Leben" stattfindet. Gerhard Walter von "Selbstbestimmt Leben" weist auf einen weiteren Aspekt hin, der noch nicht aufgearbeitet ist: "Der Umgang mit behinderten Kindern in Heimen."

Auch bei den Lehren für die Zukunft ist das Land für Schreiber zu zögerlich. "Wir wissen, dass es immer mehr überforderte Familien gibt. Die personelle Ausstattung der Jugendwohlfahrt hinkt dem hinterher."

von Claudia Thurner, Tiroler Krone

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